“Wie man sich bettet, so liegt man.” Das sagt eine alte Weisheit. Zwar ist dieser Spruch übertragen zu sehen, jedoch lässt er sich auch wörtlich verstehen. Ein harter Untergrund ist alles andere als angenehm. Ein weiches Federbett dagegen macht einen kuscheligen Schlafplatz. Wesentlicher Bestandteil des Schlafkomforts ist dabei das Kissen. Dessen Geschichte ist eng verbunden mit der des Bettes – und zugleich relativ lückenhaft. Wann ist das Kissen entstanden? Welche Entwicklung durchlief es als Schlafuntergrund? Diese Zusammenfassung soll die Geschichte des Kissens skizzieren.

Die Anfänge: Kissen in der Frühzeit

So wie alle Menschen hatten auch die frühesten Menschen ganz sicher Schlafplätze. Ob diese Komfort einer Decke oder eines Kissens boten, ist weitgehend ungeklärt. Wahrscheinlich ist jedoch, dass schon früh Tierfelle als Zudecken oder Bett dienten. Möglicherweise waren diese auch ein Kissenersatz. Die Menschen sollen auch Holz oder Steine als Stütze für den Kopf genutzt haben. Solange die Menschen in erster Linie als Nomaden durch die Welt zogen, gab es jedoch keine Betten und damit keine Kissen im heutigen Sinn. Das änderte sich später. Schlafplätze waren Liegemulden und die Menschen legten weiche Materialien hinein, um sich zu betten, den Kopf zu stützen und sich zuzudecken.

Die Antike: Kissen und Bettgestelle

Sicher ist, dass spätestens die ägyptische Hochkultur richtige Betten kannte. Vermutlich waren die Ägypter die ersten, die spezielle Anfertigungen zur Nachtruhe herstellten. Bekannt sind Metallgestelle, die den heutigen Betten in der Form sehr ähnlich sind. Ein wichtiger Unterschied bezieht sich jedoch auf das Kissen. Dabei handelte es sich um einen metallischen Aufsatz mit einem Rundbogen – eine Kopfstütze. Einige Modelle waren aus Holz oder gar Elfenbein. Ebenfalls gab es dieses “Kissen” aus Stein. Auf diesen Bogen legten die Ägypter den Kopf zur Nachtruhe. Die starre Position auf dem harten Kissenbogen ist aus heutiger Sicht weder gesund noch komfortabel gewesen.

Die Griechen und Römer entwickelten das ägyptische Bett und somit das Kopfkissen deutlich weiter. Es ist gesichert, dass beide Kulturen Tierfelle, Pflanzen, Leinen und Leder als Basis für Decke und Kissen nutzten. Das Lager bestand für vermögende Personen bereits aus einem echten Bettgestell, das mit diesen Dingen ausstaffiert war.

Die Römer betrieben teilweise einen regelrechten Kult um das Bett. Es gab Matratzen, Decken, verzierte Bettgestelle und natürlich Kissen. Die typische Art der Kissen bestand aus Leder oder Gewebe, das jeweils mit Pflanzenresten, Schilf, Heu, Federn oder anderen Materialien gefüllt war. Zudem kannten die Römer bereits das Ehebett sowie Krankenbett und zum Aufbahren das Totenbett.

Hinweis: Ähnliche Entwicklungen mit und ohne Gestell gibt es auf der ganzen Welt. Für die Herausbildung von Kissen in Europa sind die römischen Schlafstätten nach ägyptischem Vorbild Impulsgeber.

Beispiele für das frühe Kopfkissen außerhalb von Europa

In China und Japan waren lange Zeit Kissen aus Porzellan, Edelsteinen oder Holz üblich. In Afrika bauten sich einige Stämme Holzkonstruktionen, um den Kopf nachts darauf ablegen zu können. So wollten Sie das Eindringen von Insekten in die Ohren und Nase verhindern. Aus dem nördlichen Südamerika weiß man, dass einige Indianerstämme beim Schlafen auf Totenschädel ihrer Ahnen zurückgriffen, um ihren Kopf darauf abzulegen.

Mittelalter: Kissen werden typische Ausstattung für das Bett

Das finstere Mittelalter war wie in vielen Bereichen auch beim Bett ein Rückschritt in Europa. Betten waren ein Schlaflager aus Stroh für den größten Teil der Bevölkerung. Betten als gezimmerte oder geschmiedete Gestelle waren speziell in Mitteleuropa selten und dann nur hochrangigen Persönlichkeiten vorbehalten. Die Abstufungen dazwischen waren fließend: Ein Holzkasten hier, Felle und Teppiche auf dem Boden dort. Häufig teilten sich mehrere Personen eine Schlafstätte. Die Kissen in dieser Zeit ähnelten denen der Antike. Gefüllte Säcke oder Stoffe. Inhalt waren Stroh, Laub, Pflanzenfasern oder Tierhaare.

Info: Die Entwicklung verlief uneinheitlich. In den reichen Städten Südeuropas waren prunkvolle Kissen mit Seidenbezügen und Himmelbetten bereits früh verbreitet. Weite Teile Europas waren jedoch rückständiger.

Weiche Daunenkissen kommen in Mode

Im 13. Jahrhundert verbreiteten sich Betten etwas mehr. Die Gestelle mit Decken, Matratzen und Kissen blieben größtenteils jedoch vermögenden Menschen vorbehalten. Die arme Landbevölkerung schlief weiter in den bekannten Schlafstätten. Bei den Kissen gab es eine interessante Entwicklung. Diese setzte die römische Tradition sowie die Beispiele aus den reichen Metropolen fort: Daunen und Federn waren wieder Füllungen für schön genähte, teilweise bestickte Kissen. Diese Kissen waren typischer Bestandteil des Bettes und wurden je nach Nähweise als Ohrkissen bezeichnet. Diese Kopfunterlagen waren die ersten “modernen” Federkissen.

Industrielle Revolution macht Federkissen erschwinglich

Mit der zunehmenden Verbreitung von Schlafnischen und Himmelbetten kam den Kissen eine deutlich wichtigere Rolle zu. Diese waren wie die Decken häufig aufwendig verziert und weich gefüllt. Im Zuge der Industrialisierung erkannten ab dem 18. Jahrhundert einige Unternehmer die Marktchance von Federkissen und -decken. Sie produzierten diese in großen Mengen. Dadurch konnten sich die Arbeiter Federkissen und Decken leisten. Das Federbett wuchs zum Standard des Schlafens heran.

Moderne: Kissen in allen Variationen

Die Geschichte der Kissen ist nicht abgeschlossen. Kissen aus Kunstfasern aller Art sind eine relativ neue Entwicklung, die erst seit wenigen Jahrzehnten die Betten erobert. Polyester, Kaltschaum, Latex, Gel, Kamelhaare, Schurwolle, Daunen und Federn oder Dinkel und andere Pflanzenstoffe: Die Auswahl an Kissenfüllungen deckt heute scheinbar die komplette Entwicklungsgeschichte des Kopfkissens ab. Im Fokus stehen aber nicht mehr Füllungen oder Aussehen, sondern in erster Linie die ergonomische Lage des Kopfes und Nackens auf dem Kissen. Neue Technologien werden die Kissen und ihre Füllungen weiter verbessern und nach aktuellen technischen und gesundheitlichen Erkenntnissen optimieren. Die Zukunft wird zeigen, wie sich die Kissen weiter verändern.

 


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