Das neue Leben in der Natur wird in verschiedensten Kulturen gefeiert. Während, vor und nach der Osterzeit gibt es viele andere Frühjahrsfeste weltweit. Die Ausprägungen, Symboliken und Bräuche unterscheiden sich teilweise stark, doch sie alle haben etwas gemeinsam: das neue Jahr wird mit Farben, Musik und guter Laune begrüßt. Wir stellen Ihnen die schönsten Frühlingsfeste der Welt vor.

Das chinesische Neujahrsfest Chunije

Das chinesische Neujahrs-, oder auch Frühlingsfest, Chunije, gilt als der wichtigste Feiertag in China. Vorwiegend feiern ihn die Menschen im chinesischen Kulturkreis in Ostasien, doch auch Chinesen, die in anderen Teilen der Welt leben, feiern dieses Fest. Besonders in den jeweiligen Stadtvierteln, den Chinatowns, gibt es große Paraden, Straßenfeste und andere Veranstaltungen.

Zum Clan- und Familienfest Chunije kehren viele Überseechinesen zu ihren Familien zurück. Häufig sparen sie sich alle Urlaubstage auf, um ihrem Beruf mindestens zwei Wochen fernzubleiben. Vielen Clan-Mitgliedern werden beim chinesischen Neujahrsfest Arbeitsmöglichkeiten besprochen, weshalb ein Drittel der Urlauber nicht zu ihrem alten Arbeitsplatz zurückkehren – was Arbeitgeber einkalkulieren.

Das Datum von Chunije

Der chinesische Kalender ist ein Lunisolarkalender, der sich sowohl nach der Sonne als auch nach dem Mond richtet. Dadurch findet das chinesische Neujahrsfest an unterschiedlichen Tagen zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar statt, häufig am zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende. Außerdem ist nach der chinesischen Astrologie auch der zyklische Wechsel zwischen den zwölf Erdzweigen mit Chunije verbunden.

Zwei Wochen vor dem Frühlingsfest beginnen die Vorbereitungen für die 15 Festtage. Am 20. Tag des elften Monats reinigen die Menschen ihren Haushalt mit Bambuszweigen. Anschließend folgt die Neujahrsfest-Dekoration. Dabei färben sie zahlreiche Lampen und Papierbänder Rot und beschriften sie mit Hilfe von schwarzer Tinte mit Neujahrssprüchen. Zu Chunije wird außerdem alles erneuert. Neben neu bemalten Wänden kaufen sich Chinesen neue Kleidung und zum Friseur.

Wichtig ist daneben auch die Tradition, dem Küchengott eine Schale mit süßem und klebrigem Reis zu opfern. Der Legende nach verlässt er das Haus sieben Tage vor Neujahr und berichtet dem himmlischen Jadekaiser von Vorfällen des vergangenen Jahres. Der Reis soll ihn beeinflussen, nur Positives zu erzählen. Nach vier Tagen begrüßen ihn die Haushalte mit Früchten und Tee. Nach dem letzten Tag feiern Chinesen das Laternenfest. Das chinesische Neujahr wird von Feuerwerk, Löwentänzen, sowie zahlreichen Mah-Jongg-Spielen begleitet.

Mythos zum chinesischen Frühlingsfest

Einer alten Legende nach kehrte jährlich ein menschenfressendes Monster aus den Bergen oder aus dem Meer, da es nach dem Tiefschlaf großen Hunger hatte. Mit Lärm, Feuer und den Farben Rot und Gold wollten die Menschen das „Jahresmonster“ vertreiben, da es darauf sensibel reagierte. Der Teil der Feierlichkeiten heißt „Guònián“, wobei die Vertreibung des Monsters eher als Sinnbild für das Gehen des alten Jahres steht.

Auch über den Löwentanz gibt es eine Legende. Der damalige Kaiser der Qing-Dynastie, Qianlong, träumte eines Nachts, dass eine mythische Kreatur mit einem Horn an der Kopfmitte vor ihm stand. Der Kaiser hatte Angst, doch das Wesen schaute ihn nur mit einem Funkeln in den Augen an, bevor es wieder verschwand. Am nächsten Tag untersuchte der Kaiser mit seinen Gelehrten den Traum. Diese kamen zu dem Schluss, dass die Kreatur ein Löwe war, der dem Kaiser zeigen wollte, dass sie gleichgestellt seien. Der Kaiser nannte ihn Ruishi, „Glückslöwe“.

Die Bewohner der Stadt Lignan erschufen später einen neuen Löwen, Fushan Shi. Mit verschiedenen Kampfkunstvertretern und Choreografen experimentierten sie, wie sie den Löwen mit Leben füllen könnten. Aus diesen Bewegungen entstand eine eigene Tanzform, die man bis heute „Löwentanz“ nennt.

Aberglaube zum chinesischen Neujahrsfest

Um Chunije ranken sich zahlreiche Gebräuche, die Glück oder auch Unglück bringen. Glück bringen beispielsweise:

  • Licht in der Nacht brennen lassen. Das zeigt dem Glück den Weg ins Haus und schreckt Dämonen ab. Bleiben Türen und Fenster geöffnet, kann das Glück während des Festes eintreten. Damit das Glück sofort seinen Platz im Haus findet, muss außerdem geputzt werden.
  • Das, was am ersten Tag des neuen Jahres passiert, ist ein Vorbote für das kommende Jahr.
  • Im alten Jahr neue Hausschuhe kaufen und sie ab dem ersten Neujahrstag tragen bedeutet Gerüchte und schlechtes Reden abzustreifen.
  • Ein Bad in Pampelmusenblättern in der Nacht vor Neujahr bringt Gesundheit im neuen Jahr.

Unglück sollen hingegen unter anderen folgende Punkte bringen:

  • Homophone Wörter: es bringt Unglück, Schuhe während der Neujahrstage zu kaufen, da das Wort Schuhe homophon zum chinesischen Wort für „schlecht“ ist. Das Wort Haar ist homophon zum Wort „Wohlstand“ – schneiden sich Chinesen also während der Festtage die Haare schneiden sie diesen weg. Buch ist homophon zum Wort „Verlieren“, weshalb Chinesen auch keine neuen Bücher kaufen.
  • Um das Glück nicht wegzukehren, darf der Boden am ersten Tag des neuen Jahres nicht gekehrt werden.
  • In China ist schwarz die Farbe des Unglücks, weiß die Farbe bei einem Trauerfall und wird zu Beerdigungen getragen. Deshalb soll Kleidung in diesen Farben während der Feierlichkeiten vermieden werden.

Noruz – das alt-iranische Neujahrs- und Frühlingsfest

Nouruz, was übersetzt so viel wie „neuer Tag“ bedeutet, wird am 20. oder 21. März vor allem im iranischen Kulturraum gefeiert. Es ist als internationaler Nouruz-Tag anerkannt und steht seit 2009 auf der UNESCO-Liste der „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“.

Geschichte von Nouruz

Die Sommersonnenwende stand bis ins 1. Jahrhundert vor Christus im iranischen Hochland für den Jahreswechsel und wurde mit einem Erntefest gefeiert. Die Achämeniden ernannten die Frühlings-Tagundnachtgleiche zum Jahresbeginn. Bis heute berechnen Astronomen der iranischen Völker den Zeitpunkt auf Stunde und Minute genau.

Über die Jahrhunderte zählte er in Persien als wichtigster weltlicher Feiertag, aber auch in kurdischen Regionen des Osmanischen Reiches war er ein gesetzlicher Feiertag. Bei den Volksfesten fanden Reiterspiele statt und Menschen versammelten sich, um Feuer anzuzünden. Bis heute ist das Ritual Im Iran und bei Kurden gehalten. Um den neuen Lebensabschnitt zu feiern, kaufen sie neue Kleidung und zünden Lagerfeuer an. Nach einem großen Festessen gehen Familien und Freunde in Parks, manche engagieren dafür Musikkapellen.

Im 20. Jahrhundert verbreiteten sich nationalistische Ideen, wodurch das Fest für Kurden eine starke politische Bedeutung erhielt, da er laut iranischer Mythologie den erfolgreichen Widerstand gegen die Unterdrückung symbolisiert. Im Iran steht er auch für den konstanten Widerstand der Bevölkerung gegen den islamischen Klerus, der das Fest verbieten oder unterdrücken wollte.

Bräuche zum Nouruz

Ein wichtiger Bestandteil des Neujahrsfests ist die Zubereitung von Haft Sin, den „Sieben S“. Die Bestandteile müssen mit dem persischen „S“ beginnen. Das sind „Sekke“, also Münzen, „Sib“, Apfel, „Somach“, ein persisches Gewürz, „Sombol“, Hyazinthen, „Sir“, Knoblauch, „Sabseh“, Weizen“ sowie „Sombol“, Essig. Dazu gibt es das Neujahrsgetränk Haft Mewa, welches aus sieben Früchten besteht. Der Tisch wird mit sieben Speisen mit dem Anfangsbuchstaben „S“ sowie einem Spiegel, Samanak (Keimlingen aus sieben Getreidesorten), einer Kerze sowie einem wichtigen Buch (Bibel, Koran, Avesta oder Gedichtsbuch) gedeckt.

Zu den Feierlichkeiten gehören auch die Geschenke und die Reise von Amu Nouruz. Er wird von einem tanzenden und musizierenden Hajii Firuz begleitet. Amu Nouruz ist der Tradition nach ein Jahr lang von seiner Gattin Naneh Sarma getrennt und kommt nur einmal im Jahr in ihre Nähe. Da er sie allerdings schlafend antrifft, geht er wieder und sie muss ein Jahr auf seine Rückkehr warten.

Eins der wichtigsten Rituale zu Nouruz ist das Mittwochsfeuer, Tschahar Schanbe Suri. Am Vorabend des letzten Mittwochs vor Nouruz gibt es ein großes Feuer. Am Abend vorher ziehen Kinder und Jugendliche verkleidet von Haus zu Haus. Dabei schlagen sie auf Töpfe und Topfdeckel. Im Gegenzug bekommen die von den Bewohnern Süßigkeiten und kleine Geschenke.

Spanische Frühjahrsfeste

In Spanien gibt es bis in den frühen Sommer hinein die sogenannten Fallas. Die Fallas de Valencia bilden den Beginn der Frühlingsfeste. Im März werden riesige und bunte Figuren aus Pappmaché durch die Stadt gefahren, dazu gibt es Feuerwerk, Tanz und Musik. Große Blütenteppiche und Figuren aus Blumen verbreiten dazu den Duft des Frühlings. Zum Höhepunkt des Festes werden die Figuren feierlich angezündet. Feuerwehrleute löschen die Brände, währenddessen werden sie von den Menschen ringsherum beschimpft. Als Antwort darauf bespritzen sie die Massen mit Wasser. Dies endet in einem riesigen Straßenfest mit Musik und Parties an jeder Ecke.

Das Frühlingsfest „Ferie de Abril“, welches eine Woche lang mit Musik und Tanz gefeiert wird, ist das beliebteste Volksfest der südspanischen Stadt Sevilla. Mit einem bunten Lichterfest und hunderttausenden Lampions beginnt das Fest in der Nacht zum Montag. Eine ganze Woche lang gibt es danach ein Festivalgelände mit Flamenco-Musik, Sherry und Menschen in andalusischen Trachten. Höhepunkt der Fiesta bilden die großen – und umstrittenen – Stierkämpfe.

Das finnische Frühlingsfest „Vappu“

Am 1. Mai feiern die Finnen Vappu, das Fest des Frühlings. Zwar ist der Tag der Arbeit auch hier ein Feiertag, doch die Teilnehmerzahlen bei politischen Veranstaltungen sind rückläufig, die Straßenfeste hingegen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Ähnlich dem Karneval tragen die Finnen dabei Kostüme. Am 30. April beginnt das Fest mit Picknicks in Parks, Paraden und Konzerte. Die Menschen trinken dabei traditionell Sima. Ursprünglich war dies ein alkoholisches Getränk aus Honig und Wasser, heute ersetzen allerdings meist Zucker und Hefe den Honig. In Finnland wird dieser Met mit Zitronen und Rosinen versetzt. Dazu gibt es das Fettgebäck Tippaleipä, welches man oft gemeinsam mit Krapfen, Würstchen und Kartoffelsalat serviert.

Vappu gilt vorwiegend als ein Fest der Studenten. Finnen im Besitz der Hochschulreife tragen an diesem Tag ihre weiße Abiturmütze, manche Studenten kleiden sich außerdem mit dem Studentenoverall, der die jeweilige Hochschule und Fakultät repräsentiert. Studenten in Helsinki putzen bei einer öffentlichen Feier am 30. April die Statue Havis Amanda im Zentrum der finnischen Hauptstadt und setzen ihr anschließend eine weiße Abiturmütze auf.

Holi – das indische „Fest der Farben“

Das indische Frühlingsfest Holi beginnt am ersten Vollmond des Monats Phalgun und endet nach mindestens zwei, in manchen Gegenden nach zehn Tagen. Das „Fest der Farben“ ist eines der ältesten Feste Indiens und Nepals.

Fünf Tage nach Vollmond, am Rangapanchami, sind alle Schranken durch gesellschaftlichen Status, Alter oder Schlecht aufgehoben, alle feiern ausgelassen und bestreuen sich gegenseitig mit gefärbtem Wasser oder Puder. Auch heute ist die sakrale Bedeutung sichtbar. Farben werden meist auf dem Altar geweiht und die Menschen überbringen ihre Segenswünsche. Färbte man das Pulver früher noch mit heilenden Blüten oder Kräutern, nutzen heute viele synthetsiche Farben, die sogar schädlich sein können.

Die Dämonin Holika

In der Nacht vom ersten Tag der Feierlichkeiten gibt es ein großes Feuer. Darin wird eine Figur aus Stroh verbrannt, die für die Dämonin Holika steht. Um sie ranken sich zahlreiche Mythen, die bekannteste Geschichte handelt aber vom Prinz Prahlada. Sein Vater wollte ihn überreden, ihn als Gott zu verehren, doch der Junge verehrte weiterhin Vishnu. Der König versuchte daraufhin, seinen Sohn auf verschiedene Weisen zu töten, doch Vishnu rettete Prahlada jedes Mal. So dachte sich der Vater gemeinsam mit seiner Schwester Holika, die dank besonderer Kräfte vor Feuer geschützt war,  eine List aus. Mit dem Kind auf dem Schoß sprang Holika ins Feuer, wodurch der Prinz verbrannt werden sollte, doch die Flammen verschonten das Kind. Stattdessen blieb von Holika nur ein Häufchen Asche übrig.

Dadurch steht das Fest der Farben im spirituellen Bereich für die Botschaft, dass das Gute über das Böse gesiegt hat. Es steht aber auch dafür, dass der Frühling den Winter besiegt hat. Das zeigen auch die Blumen, die wieder blühen. Für viele Inder ist es außerdem wichtig, alte Streitigkeiten zu begraben und sich zu versöhnen.

 


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