Ein altes Sprichwort lautet: „Iss morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettler“. Das suggeriert, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist. Doch stimmt das überhaupt? Wird das Frühstück überschätzt? Und was sagt die Wissenschaft dazu? Wir beantworten Ihnen die Fragen zum Stellenwert Ihres kulinarischen Starts in den Tag.

 

Das sagen Forscher über das Frühstück

Seit Jahrzehnten streiten sich Forscher über die Frage, wie wichtig das Frühstück ist. So kritisieren viele Wissenschaftler diese Mahlzeit, da überflüssige Kalorien aufgenommen werden würden, da sich die Essensmenge beim Mittag- und Abendessen nicht ändere. Der britische Biochemiker Professor Terence Kealey hat das Buch „Breakfast is a dangerous meal“ veröffentlicht. Darin beschreibt er, dass Frühstück zu Übergewicht, führt und unserem Körper schadet, da es den Blutzuckerspiegel übermäßig erhöht. Dies könne sogar Diabetes Typ 2 hervorrufen. Der ehemalige Mitarbeiter der University of Buckingham und der University of Cambridge meint außerdem, dass Frühstück so gefährlich sei wie Rauchen.

Andere Wissenschaftler sprechen wiederum vom Gegenteil. Sie gehen davon aus, dass frühstückende Menschen gesünder leben, weniger verstopfte Arterien haben und seltener an Übergewicht leiden. So erkranken Sie auch nicht so häufig an Diabetes.

Frühstück ist für Kinder und Jugendliche wichtig

Der Streit zwischen den Forschern ist also sehr widersprüchlich. Sie stimmen sich darin überein, dass ein ausgewogenes Frühstück für Kinder und Jugendliche wichtig ist. Dies bezeugt auch eine schwedische Langzeitstudie. Laut dieser litten Erwachsene seltener unter Übergewicht und erhöhtem Blutzuckerspiegel, wenn sie in der Jugend ausreichend frühstückten.

Die exakten Gründe konnten die Wissenschaftler nicht eindeutig ermitteln. Eine mögliche Deutung liegt in der Sozialisierung. Frühstückende Kinder wuchsen demnach häufig in intakten Familien auf, die Wert auf Bewegung und eine gesunde Ernährung legten. Weniger behütete Kinder ernähren sich der Studie nach häufiger von Süßigkeiten und Fast Food, was Auswirkungen auf die Gesundheit im Erwachsenenalter hat.

Ist der Körper auf Frühstück angewiesen?

Die Evolutionsgeschichte zeigt, dass der Körper grundsätzlich kein Frühstück benötigt. Die Menschen der Steinzeit hatten am Morgen genug Energie, um nach dem Aufstehen Jagen zu gehen, bevor sie aßen. Auch heute noch ist der Blutzuckerspiegel nach dem Schlafen für mehrere Stunden hoch.

Übrigens: erste Frühstücks-Belege lieferten die Ägypter. Vor 2500 Jahren aßen diese bereits drei Mahlzeiten am Tag. Das Frühstück bestand wahrscheinlich aus Gebäck, Obst oder Mandeln. Die Kaffee-Alternative war Bier oder Wein.

 

Intermittierendes Fasten ist besser für den Stoffwechsel

Ernährungsexperten sind sich einig: Fasten über mehrere Stunden hinweg hat positive Effekte für die Gesundheit. Das intermittierende Fasten bedeutet, dass Menschen vom Abendessen bis zum nächsten Mittag nichts Essen. Bei diesem Intervallfasten, bei dem für längere Zeit an einem Tag auf Nahrung verzichtet wird, ist vor allem das 16:9-Fasten weit verbreitet. Bei dieser Methode essen diese Menschen nichts zwischen 16 und 9 Uhr, der Zeitraum kann aber natürlich auch nach hinten verschoben werden. Früher war dieser Rhythmus sogar völlig normal. Erst durch das ständige Essensangebot in Form von verschiedenen Snacks und Fast Food änderte sich dieser.

Vorteile des Intervallfastens

Mit einem solchen Rhythmus verändert sich der Stoffwechsel, da dieser in dem längeren Zeitraum auf die vorhandenen Fettdepots zurückgreift. So können Sie gezielter Fett abbauen. Außerdem vermeiden Sie einen Jo-Jo-Effekt. Bei vielen Diäten fällt der Körper in den Hungermodus und die Muskelmasse wird rapide abgebaut. Dies reduziert den Stoffwechsel. Sobald Sie wieder normal essen, steigt das Gewicht schnell an, da der Körper noch immer in diesem Hungermodus ist. Er verbrennt wenig Energie und lagert das Fett. Da sich der Stoffwechsel beim intermittierenden Fasten nicht umstellen muss, verhindern Sie beim Intervallfasten diesen Jo-Jo-Effekt.

 

Gesundes Frühstück ist am besten

Besonders Cornflakes- und Müsli-Hersteller locken mit LowCarb und Wellness-Müsli, um zu suggerieren, dass diese Art des Frühstücks absolut gesund ist. Doch viele Fertigmüslis sind richtige Zuckerbomben. Besonders die Cornflakes für Kinder bestehen teilweise zu über 50 Prozent aus Zucker. Selbst Früchtemüsli ohne künstlichen Zuckerzusatz enthält häufig mehr als 20 Prozent Zucker. Klingt also nicht sonderlich gesund. Auch „schnelles Frühstück“ in Form von Croissant oder Donut ist nicht zu empfehlen. Diese enthalten zu viel Zucker, zu wenig Eiweiß und zu viel Fett. Außerdem sättigen diese nur höchstens für zwei Stunden.

Der Schweizer Ernährungswissenschaftler David Fäh rät zu selbstgemachtem Birchermüsli. Dafür weichen Sie Haferflocken über Nacht in Wasser ein und mischen sie am Morgen mit Milch, Zitronensaft und Obst. Dazu gibt es ein gekochtes Ei. Haferflocken enthalten Eiweiß und Kohlenhydrate, die bis zu fünf Stunden lang sättigen. Dieses Frühstück ist somit sehr gesund.

Frühstück macht nicht schlank

Die Columbia University führte mit drei Gruppen von übergewichtigen Männern und Frauen durch. Vier Wochen lang frühstückten diese je nach Gruppe unterschiedlich: eine aß Haferflocken, die andere Cornflakes und wieder eine andere trank nur Wasser. Sie stellten fest, dass die Teilnehmer, die nicht frühstückten, im Vergleich zu den anderen abgenommen hatten.

Um dauerhaft schlank zu bleiben, ist ein ausgiebiges Frühstück also nicht so wichtig, wie vermutet. Es ist laut der Studie nicht davon auszugehen, dass die morgendliche Kalorienmenge nicht so zu Buche schlägt wie spätere Mahlzeiten. Wir nehmen dabei Kalorien auf, die wir zwar mit der nötigen Bewegung wieder abbauen – ohne dem Frühstück kommen die Kalorien aber gar nicht erst drauf.

Gesundes Frühstück: das braucht der Körper am Morgen

Wenn Sie am Morgen frühstücken wollen, dann sollten Sie die richtigen Dinge zu sich nehmen, damit dieses auch gesund und vor allem länger sättigend ist. Sie frühstücken täglich um 9 Uhr und benötigen zwei Stunden später einen kleinen Snack? Dann sollten Sie vielleicht etwas an der Art Ihres Frühstücks ändern.

Der wichtigste Brennstoff für Muskeln und Gehirn sind Kohlenhydrate. Etwa 50 bis 60 Prozent der täglichen Kohlenhydrate können Sie beim Frühstück zu sich nehmen. Nehmen Sie sich Zeit und decken Sie Ihr Frühstücksbrettchen mit Vollkornbrot und Marmelade mit mindestens 70 Prozent Fruchtanteil oder Honig. Alternativ geht auch ein selbstgemachtes Müsli mit Obst.

Ein wichtiger Bestandteil des Frühstücks ist außerdem Eiweiß, was ebenfalls gut für Muskeln und Gehirn ist. Die Aminosäuren kann der Organismus nicht selbst produzieren, weshalb Sie diese zu sich nehmen müssen. Sie sorgen dafür, dass Ihr Körper den Tag über leistungsfähig bleibt. Quark, Milch, Joghurt, Frischkäse und Eier liefern deshalb besonders beim Frühstück Nährstoffe für die Verdauung, Entgiftung und Zellregenerierung.

Auch auf gute Fette sollten Sie nicht verzichten. Ein Butterbrot oder ein Müsli mit Vollmilchjoghurt kurbeln sogar die Fettverbrennung an. Dies belegt eine Studie der University of Alabama. Demnach werden der Kohlenhydrat- und der Fettstoffwechsel durch die richtigen Fette zum Frühstück angetrieben, was den ganzen Tag über hält. Der Fettanteil sollte dabei bei etwa 30 Prozent des täglichen (Fett-)Bedarfs entsprechen.

Achten Sie auf Ihren Biorhythmus

Neben der Art des Frühstücks ist auch der eigene Biorhythmus wichtig. Es gibt verschiedene Esstypen, zum Beispiel die Frühstücker und die Frühstücks-Muffel. Niemand sollte sich zu etwas zwingen, sondern das tun, was dem allgemeinen Wohlbefinden gut tut. Besonders Nachtmenschen benötigen meist kein Frühstück, essen dafür aber später. Frühaufsteher hingegen brauchen ein Frühstück mehr als ein spätes Abendessen.

Man wird nicht übergewichtig, nur weil man zu einer dieser Gruppen gehört. Das Körpergewicht wird bestimmt durch die über den Tag aufgenommene und verbrauchte Energiemenge. Deswegen ist es auch nicht zwingend notwendig, zu Frühstücken. Zum Abnehmen sollte der Rhythmus der Mahlzeiten gleichbleiben, Sie können aber auf eine ausgewogene und sättigende Ernährung achten und auf zwischenzeitliche Snacks verzichten.

 


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