Es glitzert, es ist magisch, es ist pink – und alle wollen es. Das Trend-Fabelwesen hat uns noch immer fest im Griff. Aus den Supermarkt- und Drogerieregalen sind die limitierten und somit heißbegehrten Unicorn-Editionen nicht mehr wegzudenken. Süße Einhorn-Geschenke, wohin das Auge blickt. Doch woher kommt eigentlich dieser Einhorn-Hype?

 

Woher kommt der Einhorn-Hype?

Plötzlich waren die Einhörner überall: auf der Handyhülle, den Hausschuhen, den Kaffeebechern prangte das Einhorn, begleitet mit verträumten Sprüchen und einem Regenbogen. Der Einhorn-Hype erreichte einen Höhepunkt in Deutschland, als Ritter Sport in seinem Online-Shop eine Einhorn-Schokolade verkaufte, die innerhalb von Minuten ausverkauft war.

Generell sind die Tiere im Trend. Besonders durch das Internet verbreiten sich süße Katzenvideos wie ein Lauffeuer und machen Vierbeiner wie Grumpy Cat zur Kultfigur. Es gibt vermutlich immer einen Tier-Trend. Vor ein paar Jahren zierten Eulen die Pullover, Ketten und Kugelschreiber. Heute ist es eben das Einhorn.

Ein Trend entsteht langsam. Kleine Mädchen erlebten die Fabelwesen in der Unterhaltung, zum Beispiel über „My little Pony“, „Das letzte Einhorn“ oder „Mia & Me“. Aus den Kinderzimmern überrollte der Trend dann die Gesellschaft – vermutlich weltweit! Doch auch in Fantasy-Romanen wie Harry Potter oder „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende heilen die fliegenden, magischen Wesen Kranke und erwecken Tote wieder zum Leben. Cornelia Funke bricht in ihrer „Reckless“-Trilogie mit der jahrhundertealten Symbolik. Darin sind die Einhörner nämlich böse.

Das Einhorn in der Geschichte

In der indischen, chinesischen und der christlichen Mythologie ist von Einhörnern die Rede. Sogar in der Bibel wird dieses Tier erwähnt. Der Übersetzungsfehler wurde erst im 18. Jahrhundert erkannt, aber bis dahin war das edelste aller Fabelwesen das Sinnbild für das Gute in einer bösen Welt. Es ist stark und mutig – und gewinnt immer! Das Horn ist magisch und hat heilende Kräfte. Man vermutet, dass auch ein phallischer Charakter dahinter verborgen ist.

Besonders bekannt ist neben den Erwähnungen von Aristoteles und Plinius dem Älteren auch die Schilderung im „Physiologus“, einem Werk aus der Spätantike. Hier werden das Aussehen und die Heilkräfte sehr detailliert beschrieben. Auch Abenteurer und Reisende wie Marco Polo berichteten im Mittelalter von Sichtungen. Allerdings handelte es sich hier vermutlich um das indische Panzernashorn. So etablierte sich aber die Legende um das Einhorn.

Einhorn-Hype: Mehr als nur ein kurzer Trend?

Vor ein paar Jahren flatterten die Eulen in die Schaufenster, verschwanden aber auch rasch wieder. Mit dem Einhorn verhält es sich anders, da es sie seit über 2500 Jahren gibt und sie eine symbolische Kraft haben. Der Einhorn-Hype ist also anders zu beobachten als Modetrends mit Flamingo oder Faultier. Letztere halten sich meist nur eine Saison, manchmal sogar ein ganzes Jahr. Doch das Einhorn ist eben nicht nur ein Trend-Wesen.

Einhörner sind ein Mythos und genau deshalb setzen sie so starke Impulse. Gerade das Einhorn, welches eine so große symbolische Bedeutung hat, ist in der heutigen Zeit ein Sinnbild für Toleranz und Individualismus. Es siegt über das Böse – immer! Es wird uns also noch eine Weile begleiten. Vielleicht nicht mehr im Rahmen vom teilweise verrückten Einhorn-Hype. Aber es wird bleiben!

 

Die Bedeutung des magischen Fabelwesens

Das Einhorn ist ein edles Wesen. Es ist ein Symbol für das Gute und für Reinheit, ist anmutig, unsterblich und hat eine heilende Kraft. Es ist zwar ein Mythos, doch als dieser nie wirklich aus der Gesellschaft verschwunden. Es steht für eine optimistische Vorstellung, wie die Realität sein kann. Gerecht, friedlich, tolerant. Besonders dann, wenn es in der Welt unruhig ist, kommt es wieder zum Vorschein.

Was macht das Einhorn heutzutage so wichtig?

Einhörner sind auch Sinnbild für die Generation, die nie erwachsen werden will. Es erinnert in der Kombination mit Glitzer und den mädchenhaften Farben an das Wesen aus der Kindheit. Mit ihm träumen sich vor allem jüngere Leute, die in den 1980ern und 1990ern geboren wurden, in eine Welt fernab der Sorgen der Realität. Besonders wichtig sind dabei auch die Attribute des Lebensgefühls. Sie sind unbesiegbar, stehen für Freiheit und Toleranz und heben sich von der Masse ab.

In den Unruhen der heutigen Zeit sehnen sich viele Menschen nach einem Ausgleich, nach einem Sinnbild, welches die Schreckensnachrichten des Alltags fernhält. Dieser kommt meist in Form eines Einhorns daher. Im Schutz der Fantasiewelt lässt es sich in kindlicher Naivität und Hoffnung von einer besseren Welt träumen. Davon, dass das Gute gewinnt. In einer heilen Welt, in der es keine Probleme gibt, in der es gerecht zugeht.

Einhorn-Hype als Mittel zum Protest

Manche Experten sehen dies als Eskapismus, also Realitätsflucht. Verständlich, da es nicht nur ein Gegenstück zur Realität ist. Es steht auch für das Bedürfnis nach Harmonie und Sicherheit, welches im Alltag der heutigen Zeit selten gestillt wird. Andere sehen es eher als Protest. Es ist das Mittel der Generation Y, sich politisch zu artikulieren. Es setzt ein Zeichen für Buntheit, Menschlichkeit, Toleranz und Weltoffenheit. Außerdem solidarisieren sich Einhorn-Fans häufig auch via Regenbogen mit der LGBT-Community.

Seit dem Filmmusik-Hit „Over the rainbow“ ist der Regenbogen ein wichtiger Teil der Einhorn-Darstellung. Das Ende des Regenbogens ist ein Sehnsuchtsort, an dem alle Träume wahr werden. Einhorn und Regenbogen sind in der LGBT-Bewegung fest verankert. Es ist das inoffizielle Maskottchen, Regenbogenfahnen sind bei Demonstrationen und Feierlichkeiten kaum mehr wegzudenken.

 


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