Der Vatertag, auch Herren- oder Männertag genannt, ist ein Brauch zu Ehren der Väter. Er kommt aus den USA und wird seit 1910 nach Vorbild des Muttertags gefeiert. Alle Hintergründe finden Sie hier.

Entstehung des Vatertags

Zu Ehren ihres Vaters rief die US-Amerikanerin Sonora Louisa Dodd den Vatertag ins Leben. Ihr Vater William Smart kämpfte im Sezessionskrieg und war ein Bürgerkriegsveteran. Nach dem Tod seiner Frau kümmerte er sich allein um die sechs Kinder. Um ihm dafür zu danken, organisierte sie 1910 die Bewegung zu Ehren der Väter. Im selben Jahr wurde er am 19. Juni in Spokane/Washington gefeiert.

Der Ehrentag verbreitete sich schnell in den gesamten USA. Bereits 1924 forderte der damalige Präsident Calvin Coolidge die Bevölkerung auf, den Tag zu feiern. Zwei Jahre später gründete sich in New York ein „National Father´s Committee“, welches den Vatertag als nationalen Feiertag einführen wollte. Seit 1942 wählen die Mitglieder jährlich einen „National Father oft he Year“.

Der Vatertag kommt nach Deutschland

Um 1900 herum begannen überwiegend alleinstehende Männer aus dem Berliner Raum, zu Christi Himmelfahrt Gruppenausflüge zu unternehmen. Da es in Berlin viele schlecht untergebrachte Männer gab, trafen diese sich am meist schon wärmeren Feiertag, um gemeinsam Alkohol zu trinken und etwas zu unternehmen. Dies bildete den Grundstein des Vatertags in Deutschland. Christi Himmelfahrt wurde in der DDR 1967 abgeschafft, doch die Tradition blieb. Noch heute sind die Touren zum Vatertag besonders in Nord- und Ostdeutschland verbreitet.

Vatertag zum Himmelfahrtstag

Bis heute ist nicht ganz klar, warum der Vatertag exakt auf den Feiertag fällt. Christi Himmelfahrt ist eins der ältesten und wichtigsten christlichen Feste. Bereits 370 nach Christus wurde es nachweislich innerhalb des Osterfestkreises gefeiert.  In der Bibel steht das Geschehen um Himmelfahrt in der Apostelgeschichte sowie im Lukas-Evangelium. Es heißt, dass Jesus Christus 40 Tage nach seiner Auferstehung seinen Jüngern begegnete. Bei der letzten Erscheinung steigt er „zur Rechten Gottes“ in den Himmel auf.

Zusammenhang zwischen Vatertag und Christi Himmelfahrt

Seit dem Mittelalter gibt es viele Bräuche zu Christi Himmelfahrt. Zum Beispiel zogen Geistliche eine Christusfigur in das Kirchengewölbe. Von oben regnete es anschließend Blumen, teilweise wohl auch Heiligenbilder. An manchen Orten gab es auch Flurumgänge. Der religiöse Hintergrund ist umstritten, da die Bedeutung bereits im Spätmittelalter verloren ging. Der Brauch verkam jedoch immer mehr zum übertriebenen Alkoholgenuss, weshalb die Kirche ihn im Zuge der Reformation bekämpfte.

Daraus entwickelten sich im 19. Jahrhundert sogenannte Herrenpartien, die Vorbilder der heutigen Vatertagstouren. Eine weitere Deutung stammt von Wissenschaftlern, die die Apostelprozession der Jünger zum Berg in Galiläa betrachten. Diese könnten ein weiteres Vorbild für die Touren zum Himmelfahrtstag sein.

Der Vatertag heute

In Nord- und Ostdeutschland finden bis heute zahlreiche Herrenpartien statt. Doch auch in anderen Teilen Deutschlands wird die Idee des Vater- oder Männertags genutzt, um mit anderen Männern Alkohol zu trinken und etwas zu unternehmen.

In den letzten Jahren entwickelte sich der Vatertag teilweise auch zu einem Familientag. Bei Wanderungen nehmen die Männer auch ihre Frauen oder Freundinnen mit und bei Erlebnisausflügen ist die ganze Familie dabei. Es gibt dadurch ein langsames Umdenken zum Herrentag, bei dem nun tatsächlich Väter im Mittelpunkt stehen.

Wie auch am Muttertag basteln kleine Kinder häufig Vatertagsgeschenke oder lernen Gedichte auswendig. Auch größere Kinder schenken ihrem Vater manchmal Kleinigkeiten, doch aktuell ist der Vatertag im Einzelhandel (noch) nicht so groß wie der Muttertag.

Vatertag im Ausland

Auch in anderen Teilen der Welt feiern die Menschen den Vatertag, auch wenn sich Datum und Bräuche unterscheiden. Im Ursprungsland, den USA, gibt es am dritten Sonntag im Juni große Paraden. Außerdem gibt es große Familienfeste, bei denen hauptsächlich die männlichen Familienmitglieder anwesend sind. Dabei steht die Vater-Sohn-Beziehung im Vordergrund. Es gibt auch in den USA Geschenke für die Väter, die meisten unternehmen außerdem Ausflüge.

Die weltweit größte Bedeutung hat der Feiertag im katholischen Italien. Zur „festa del papa“ am Josefstag, dem 19. März, feiern und ehren die Italiener ihre Väter. Dabei ist der Vatertag genauso wichtig wie der Muttertag. Die Väter bekommen Geschenke und gehen auf Ausflüge.


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