Sie suchen T-Shirts, die nachhaltig sind und die unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden? Die Fair Wear Foundation (FWF) achtet darauf. Die Organisation möchte die Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie verbessern. Der Fokus liegt dabei auf Lieferketten und der Verarbeitung von Stoffen zu Textilien. Deshalb ist die Stiftung besonders in produzierenden Ländern wie Indien oder Bangladesch aktiv. Wir stellen Ihnen die Arbeit der Fair Wear Foundation vor.

 

Die Entstehung der FWF

Nach fünf Jahren Verhandlungen zwischen diverser Interessengruppen gründete sich 1999 die Organisation für faire Kleidung, die Fair Wear Foundation. Damals verlagerte die Niederlande die Produktion von Bekleidung in Niedriglohnländer, so wie es auch in vielen weiteren Ländern üblich war. Es gab einige Kampagnen, bis der niederländische Gewerkschaftsbund und die Clean Clothes Campaign die Arbeitgeberverbände kontaktierten. Gemeinsam strebten sie eine Initiative für verbesserte Arbeitsbedingungen im Kleidungssektor an.

Die Erstellung vom „Code of Labour Practices“

So erstellten die Gründer den „Code of Labour Practices“, den Kodex für Arbeitspraktiken und Rechte der Arbeitnehmer in der Kleidungsindustrie. Grundlage bildeten die internationalen Standards der Abkommen der Internationalen Arbeitsorganisation. Besonders wichtig waren dabei die Modellnormen der Clean Clothes Campaign und der ICFTU, der Dachorganisation der Gewerkschaften, der die FNV auch angehört.

Zwischen 1999 und 2002 führte die FWF erste Projekte durch, bei der vier niederländischen Firmen den Kodex umsetzten. Die Erfahrungen aus den Pilotprojekten bildeten die Basis für die folgende Standardprozedur. Im Laufe der Jahre gewann die Organisation immer mehr Mitglieder. Sie ist mittlerweile in 15 Produktionsländern aktiv. Zu den Mitgliedern gehören über 80 Textilunternehmen, die etwa 120 Marken vertreten.

 

Die Arbeit der Fair Wear Foundation

Die FWF und ihre Mitgliedsunternehmen wollen die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Textilindustrie verbessern. Dafür überprüft die Organisation regelmäßig, welche Fortschritte die Unternehmen bei der Umsetzung der FWF-Anforderungen verbuchen. Diese werden bewertet und veröffentlicht. Dabei kontrolliert die FWF auch die Produktionsstätten vor Ort. Arbeitnehmer können sich anonym beschweren. Für Arbeiter und Management bietet die FWF Schulungen an. Außerdem entwickeln sich immer wieder neue Ansätze, um die Menschenrechte in den Lieferketten besser durchzusetzen.

Kodex für Arbeitspraktiken und Arbeitnehmerrechte

Der Kodex der Fair Wear Foundation enthält acht Punkte. Diese beruhen auf der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dem Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation.

  1. Freie Arbeitswahl: Die Arbeiter dürfen nicht zur Arbeit gezwungen werden, zum Beispiel durch das Einsperren in der Fabrik oder dem Einbehalten der Löhne.
  2. Keine Diskriminierung am Arbeitsplatz: Meistens arbeiten Frauen in der Textilindustrie und sind Opfer von Belästigung und Diskriminierung. Frauen und andere benachteiligte Gruppen sollen bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken haben. Es gilt das Prinzip der Chancengleichheit, unabhängig von Geschlecht, Religion, politischer Ausrichtung, Hautfarbe, Nationalität, etc.
  3. Keine Kinderarbeit: Das Mindestzugangsalter darf nicht unter dem Pflichtschulalter und generell nicht unter 15 Jahren liegen. Kinder zwischen 15 und 18 Jahren dürfen keine Arbeit ausführen, die für die Gesundheit, Sicherheit oder Sittlichkeit schädlich sind.
  4. Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen: Arbeiter dürfen bei der Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen mitsprechen. Sie können Gewerkschaften bilden und mit der Fabrik verhandeln.
  5. Zahlung existenzsichernder Löhne: Der Lohn für eine normale Arbeitswoche sollten hoch genug sein, um die Grundbedürfnisse der Arbeitnehmer und ihrer Familien zu erfüllen. Dabei sollte auch ein Geldbetrag zur freien Verfügung eingerechnet werden.
  6. Angemessene Arbeitszeiten: Laut UN liegt das Maximum hier bei sechs Arbeitstagen zu je acht Arbeitsstunden pro Tag. Überstunden sollten freiwillig sein und bezahlt werden. Pro Woche dürfen das aber nicht mehr als zwölf Stunden sein.
  7. Sichere und gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen: Notausgänge müssen frei zugänglich sein. Außerdem erhalten die Arbeiter eine angemessene Sicherheitsausrüstung.
  8. Rechtsverbindliches Arbeitsverhältnis: Arbeiter haben den gesetzlichen Anspruch auf einen Vertrag. Außerdem erhalten sie bestimmte Leistungen wie Rente, Versicherungen und Abfindungen.

Die Kontrollen der Fair Wear Foundation

Damit die Standards der FWF auch wirklich eingehalten werden, gibt es regelmäßige Kontrollen. Der Prozess besteht aus drei Teilen. Zum einen werden die Fabriken vor Ort intern und von Prüfern der FWF kontrolliert. Die Fair Wear Foundation richtet daneben auch ein Beschwerdemanagement in den Produktionsländern ein. Zum anderen prüft die FWF das Mitgliedsunternehmen.

Erfüllt ein Unternehmen Mindeststandards nicht oder bekommt zweimal in Folge eine Bescheinigung über „Verbesserungsbedarf“, so wird dieses suspendiert. Schneidet es im folgenden Jahr wieder nicht besser ab, so schließt die Fair Wear Foundationen diese Marke aus.

Je nach Beschwerden oder Verdacht kann es auch spontane Inspektionen in den Produktionsbetrieben geben. Auch außerhalb der Fabriken führt die FWF anonyme Interviews mit Arbeiterinnen durch. So erhält sie ein unverfälschteres Bild.

 


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