Spirituosen spielen in wohl jedem Kulturkreis bei besonderen Anlässen eine große Rolle. Jedes Land hat sein eigenes Nationalgetränk: In Deutschland ist es beispielsweise das Bier, in Mexiko der Tequila, in Schottland der Whisky, in Frankreich ein guter Wein und die Griechen trinken Ouzo. Grund genug, dass wir uns mal mit allen wichtigen Fragen rund um Schnaps beschäftigen.

Es gibt diverse Rituale, die sich rund um verschiedene Spirituosen drehen. So stoßen wir im mitteleuropäischen Kulturkreis bei Hochzeiten oder Geburtstagen an, um dem Betreffenden Glück und Gesundheit zu wünschen. Der Brauch des Anstoßens kommt übrigens aus dem antiken Griechenland und hat nichts mit der heutigen Tradition zu tun. Damals stießen die Feiernden schwungvoll mit ihren Kelchen an, dass etwas von dem einen in den anderen Becher floss. Damit wollten sie verhindern, dass eine Person in der Runde vergiftet wird.

 

Schnaps richtig lagern

Mit der richtigen Lagerung sind Spirituosen sehr lange haltbar – sogar mehrere Jahrzehnte! Im Gegensatz zu den liegend gelagerten Weinen, sollten Sie Schnäpse und Liköre im Stehen lagern. Korken oder Drehverschlüsse werden andernfalls stark angegriffen. Dadurch kann der Schnaps korken und der Geschmack verschlechtert sich. Außerdem sollten Sie ihn vor Sonnenlicht schützen, da sonst nicht nur das Etikett ausbleicht, auch die Haltbarkeit verkürzt sich deutlich. Lagern Sie geschlossene Flaschen also stehend und in einem möglichst kühlen und dunklen Raum.

Offene Schnapsflaschen lagern

Auch offene Flaschen sollten Sie kühl und dunkel lagern, damit sie möglichst lange haltbar sind. Damit Sie den vollen Geschmack genießen können, verbrauchen Sie den Schnaps am besten zeitnah. Nach ein bis zwei Jahren verflüchtigt sich das Aroma der meisten Spirituosen, wodurch sie einfach nur noch ungenießbar schmecken.

Geöffneten Likör sollten Sie innerhalb eines halben Jahres genießen. Lagern Sie auch diesen für eine längere Haltbarkeit kühl und dunkel.

 

Anleitung: Schnaps brennen

Sie wollen Ihren eigenen Schnaps brennen? Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, wie es auch Anfänger schaffen, eine leckere Spirituose herzustellen.

Schritt 1: Die Maische herstellen

Wir beginnen mit der Maische. Das ist ein Brei aus zerdrücktem Obst. Achten Sie dabei auf die Qualität der Früchte. Verwenden Sie vollreifes und idealerweise erntefrisches Obst. Braune Früchte sortieren Sie aus, Blätter und Stiele entfernen Sie. Waschen Sie es gut ab, so kommen keine Fremdhefen, Bakterien und kein Dreck in die Maische. Entfernen Sie ebenfalls alle Kerne, da sie die nicht erwünschte Blausäure enthalten.

Schneiden Sie die Früchte in kleine Stücke und geben Sie sie in den sogenannten Gär-Eimer. Beeren sollten dabei zerquetscht, Kernobst in dünne Scheiben zerschnitten und Steinobst zermatscht werden. Der Gär-Eimer sollte bei etwa 20 bis 25 Kilogramm Obst ein Fassungsvermögen von 30 Litern haben. So verhindern Sie das Übertreten während der Gärung. Fügen Sie nun Wasser hinzu, dabei sollte es maximal 1/3 von der Maische sein. Bestimmen Sie den PH-Wert Ihres Fruchtbreis. Am besten liegt der bei rund 3,5. Die Säuerung erschwert das Wachstum von Bakterien und Wildhefen und verlangsamt die Gärung. Dies erhöht das Aroma des Schnapses.

Mit einem Refraktometer oder einer Öchslemesser bestimmen Sie den Zuckergehalt. Kontrollieren Sie diesen regelmäßig, beispielsweise mit einem solchen Öchslemesser. Für ein Mostgewicht von 25 Öchsle liegt der allgemeine Zuckerbedarf der Früchte bei 223 Gramm. Rechnen Sie pro steigenden 5 Öchsle immer 13 Gramm weniger des Zuckerbedarfs. Die Gewichtsangabe des Zuckers gilt pro Liter der Maische und etwa 18 Volumenprozent Alkohol. Der Zuckergehalt muss ganz aufgelöst sein, damit die Hefe den Zucker vergärt. Mischen Sie die Turbohefe unter, sobald der Zucker verrührt und aufgelöst ist. Die Temperatur der Maische sollte dabei etwa 25°C sein. Achten Sie hierbei genau auf die Beschreibung des Herstellers. Mehr Hefe heißt nämlich nicht, dass es schneller geht oder Sie am Ende einen höheren Alkoholgehalt erzielen.

Nun verschließen Sie den Gärbehälter und montieren den Gärspund. Dieser verhindert den Sauerstoffaustausch während der Gärung, der die Maische verderben lässt. Die Temperatur sollte während der Gärung immer zwischen 15°C und 20°C sein. Nach etwa zwei Wochen ist die Gärung abgeschlossen. Sie erkennen das daran, dass die Maische klar wird und dass der Öchslemesser durchgängig negative Werte anzeigt.

Schritt 2: Den Schnaps brennen

Nach Gärende der Maische beginnt das Destillieren. Leeren Sie die Maische in den Brennkessel. Achten Sie darauf, nicht mehr als ¾ zu befüllen, da sonst die Gefahr des Überschäumens besteht. Wenn die Maische nicht allzu flüssig ist legen Sie ein Maischesieb in den Brennkessel. Dieses verhindert das Anbrennen.

Beginnen Sie mit dem Anheizen. Am besten heizen Sie nur langsam und vorsichtig hoch, damit sich währenddessen einige Aromen bilden. Der erste Ausfluss ist nicht zum Verzehr geeignet, er ist sogar schädigend für die Gesundheit. Sie erkennen den Vorlauf am Geruch. Die Menge ist nur sehr gering.

Nun starten Sie mit dem Mittellauf. Bei knapp über 80°C legt die Destille vermutlich eine Pause ein, der Ausfluss rinnt gleichmäßig aus. Der entstandene Trinkschnaps kann sehr hochprozentig sein, weshalb Sie ihn mit Vorsicht genießen sollten. Bei etwa 90°C sollten Sie stoppen, da der Nachlauf kommt. Aufgrund der Fuselöle kann sich dieser Nachlauf negativ auf den Geschmack auswirken.

Schritt 3: Überprüfung vom Schnaps

Messen Sie den Alkoholgehalt mit einem Alkoholmeter. Mit destilliertem Wasser strecken Sie starken Schnaps. Verwenden Sie kein Leitungswasser, da es den Schnaps trübt. In großen Mengen ist destilliertes Wasser zwar gesundheitsschädlich, doch als Verdünnung ist es harmlos.

Das Verhältnis zwischen Wasser und Schnaps können Sie sich selbst ausrechnen. Messen Sie den Alkoholausgangswert und definieren Sie den geplanten Soll-Wert. Wir zeigen Ihnen die Formel mit einem Beispiel. Sie haben dabei zwei Liter frisch gebrannten Schnaps mit einem Alkoholgehalt von 72%, der Zielwert liegt bei 43 Prozent. Die Formel lautet somit:

x = 2 x (72-43) / 43

Sie benötigen für einen Liter Schnaps also 1,34 Liter Wasser. So erhalten Sie einen Alkoholgehalt von 43 Prozent. Wichtig ist bei der Verdünnung, dass Sie den exakten Alkoholgehalt bestimmen und auch beim Wasser auf die Qualität achten.

 

Wie serviere ich richtig Spirituosen?

Beim Trinken von Schnäpsen gibt es kulturelle Unterschiede. Trinkrituale können sich im Laufe der Zeit ändern, brennen sich aber dennoch in die Gesellschaft ein.

Die äußere Präsentation

Bei Servieren von alkoholischen Getränken spielt die Temperatur eine zentrale Rolle. Wir haben Ihnen diese in einer kleinen Tabelle zusammengefasst.

Alkoholisches GetränkTemperatur beim Servieren
Bier8°C – 12°C
Weißwein8°C – 12°C
Rotwein14°C – 19°C
Rosé-Wein10°C – 12°C
Sekt/Champagner/Prosecco6°C – 10°C
Likörweine10°C – 16°C
Schnaps/Obstler20°C (Zimmertemperatur)

 

Es kommt natürlich immer auf die persönlichen Vorlieben des Gastes. Auch die Wahl des Getränks hängt meist vom Anlass ab.

Das richtige Glas für Schnaps

Um Spirituosen richtig zu servieren, benötigen Sie auch das passende Schnapsglas. Dieses ist nicht nur für den optischen Eindruck sondern auch für das Aroma wichtig. Je bauchiger das Glas ist, desto besser kann sich das Aroma des Getränks entfalten und je größer die Öffnung des Glases desto intensiver steigt dieses Aroma nach oben. Letzteres ist jedoch bei vielen Spirituosen gar nicht erwünscht. Schnaps muss nicht weiter gekühlt werden, weshalb Sie hier am besten zu einem kleinen und kurzen Glas greifen. Der Schnaps kann gekühlt serviert werden, da er aber meist mit einem Mal getrunken wird, erwärmt er sich nicht im Glas.

 

So beurteilen und genießen Sie Schnaps

Wie bereits erwähnt genießen Sie gute Destillate aus Gläsern, die die feinen Aromen zur Geltung bringen.  Das „Schnüffeln“ und „Verkosten“ eines Schnapses nennt man Degustieren. Es kann auch eine professionelle Arbeit sein, um die Qualität des Getränks zu beurteilen.

Es geht hierbei um die Kunst, die Geschmacks- und Geruchseigenschaften objektiv zu beurteilen. Sie prüfen mit dem Auge die Farbe, mit der Nase das Duftaroma. Anschließend kosten Sie den Schnaps.

Analyse und Bewertung des Schnapses

Beurteilen Sie den Eigengeschmack, die Harmonie, den Charakter der Sorte sowie auch mögliche Fehler. Bei einer genauen Analyse bewerten Kenner auch die Reinheit und die Intensität.

Harmonie: Einen positiven Eindruck erweckt es, wenn einzelne Duftkomponenten gemeinsam harmonieren. Das kann sogar ein richtiges Dufterlebnis erwecken. Negativ ist es, wenn einzelne Gerüche unharmonisch auftreten.

Sortencharakter: Wenn Sie die typischen Merkmale der Sorte eindeutig am Duft erkennen, ist das natürlich was Tolles. Nicht so löblich ist es, wenn bei der Prüfung keine typischen Merkmale erkennbar sind oder durch andere Nuancen verdeckt werden.

Reinheit: Positive Eigenschaften, an denen man die Reinheit erkennt, sind sauber, typisch, elegant oder reintönig. Missfallen drücken Kenner eher mit den Adjektiven muffig, fuselig, unsauber und dumpf aus.

Intensität: Die Intensität ist gelungen, wenn Ihnen Wörter wie zart, verhalten, fein oder intensiv einfallen. Beschreiben Sie das Getränk als neutral – oder offensichtlicher als schwach – ist das ein klares negatives Feedback.

 


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