Weltzeiten / ZeitzonenJeder kennt die Uhrzeit. Doch wie relativ Zeit wirklich ist, zeigt sich bei weiten Reisen. Fliegen Menschen von Berlin nach London, ist es dort eine Stunde früher als auf der eigenen Uhr. Fliegen Sie von München nach Moskau ist es dort bereits zwei Stunden später. Die einfache Ursache: Die Städte bzw. Länder liegen in einer anderen Zeitzone. Viele Touristen und Geschäftsreisende nehmen die damit verbundene Zeitverschiebung gelassen hin. Aber wie kommt es zu den verschiedenen Uhrzeiten?

Die astronomische Erklärung: Mittag ist, wenn die Sonne am höchsten steht

Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein gab es in vielen Orten eine eigene Zeit. Dabei richteten sich die Orte nach einem astronomischen Phänomen. Denn die Sonne steht exakt zur “Mittagsstunde” am höchsten.

Hätten alle Orte auf der Erde die gleiche Uhrzeit, würde die Sonne in der Mehrzahl der Orte ihren Zenit jedoch nicht zur Mittagsstunde erreichen. Im Gegenteil: In vielen Orten wäre es sogar stockdunkel. Was für die einen 12 Uhr Mittag wäre, ist für die anderen daher finstere Nacht. Daher unterscheiden sich die Uhrzeiten.

Wie entstehen Tageszeiten?

Veranschaulicht: Die Sonne scheint “von der Seite” auf die halbe Erdkugel. Auf dieser Hälfte ist es Tag, auf der anderen Nacht. Da die Erde sich um sich selbst von West nach Ost dreht, rotiert sie praktisch in das Tageslicht hinein. Daher geht im Osten die Sonne auf. Zur Mittagsstunde, also wenn ein Ort sich genau in der Hälfte der von der Sonne angestrahlten Taghälfte befindet, steht die Sonne aufgrund der Erdkrümmung am höchsten.

Es ist folglich nicht zu erwarten, dass Menschen auf der anderen Erdhälfte diesen Sonnenstand ebenfalls als Mittag bezeichnen möchten. Daher gab es lange Zeit die eigenen Ortszeiten. Damit verbunden war spätestens beim Boom Zeitzonen - Konzeptder Eisenbahn ein Zeitchaos. Denn Reisende mussten praktisch in jeder Stadt die Uhr nachstellen und die Fahrpläne waren an allen Haltepunkten verschieden.

GMT – Greenich sorgt für Ende des Chaos

Diese Entwicklung beendeten die Staaten 1884 mit Einführung der GMT. Diese Abkürzung steht für Greenich Mean Time. GMT steht dabei für 12 Uhr in Greenich. Wobei es sich um eine gemittelte Stundendefinition nach Sonnenstand handelt, die Jahreszeiten, Effekte der Erdachsenneigung usw. eingerechnet und angeglichen sind.

Der entscheidende Punkt war jedoch, dass die Verantwortlichen dabei die Erde in 24 Zeitzonen aufgeteilt haben, die sich – sehr grob – an den Längenkreisen orientierten und einen Abstand von 15 Grad aufweisen. 360 Längengrade geteilt durch 24 Tagesstunden ergeben bei einer gleichmäßigen Verteilung diese 15 Grad Abweichung. Diese Zeitzonen sind im Wesentlichen noch heute aktuell.

Achtung: Nicht alle Zeitzonen sind jeweils 15 Grad breit. Es galt das Bestreben, in den Ländern die Uhrzeit gleich zu halten. Daher weichen Zeitzonengrenzen vom Längengradsystem ab. Nur in großen Ländern wie Russland, Kanada, USA usw. war das nicht möglich, entsprechend gibt es dort mehr Zeitzonen. Andererseits gilt in Mitteleuropa die Mitteleuropäische Zeit, die als Zeitzone sehr viel breiter als nur die typischen 15 Längengrade ist. Die Vorstellung einer “gleichförmig aufgespalteten Apfelsine” als Bild für die Zeitzonen auf der Erde führt daher in die Irre.

Zeitzonen, WeltkarteJede der so definierten Zone hatte eine eigene Zeit, die für alle Orte verbindlich war. Ausgehend von der Zeitzone, in der Greenich liegt (GMT 0) war jede Zeitzone östlich eine Stunde weiter als die davor (Berlin bspw. GMT +1), jede Zeitzone weiter westlich davon, eine Stunde gegenüber der östlichen davon eine Stunde zurück (GMT -1). So entstand eine einheitliche Zeitverschiebung.

Gut zu wissen: Die Berechnung ausgehend von Greenich bedeutet auch, dass im Pazifik, zwischen der 12. und 13. Zeitzone die Datumsgrenze liegt. Denn die einen sind mit +12 Stunden voraus, die anderen mit -12 zurück.

Damit gab es innerhalb der Zeitzonen zum einen verbindliche Uhrzeiten, zum anderen war klar, an welchen Punkten Reisende eine neue Zeitzone erreichten. Da diese Zeitzonen sehr breit sind, gab es weniger Bedarf an Uhrzeitanpassungen, was nicht zuletzt das Leben vereinfachte und die Wirtschaft förderte.

Heute ist die Greenich Mean Time durch die UTC abgelöst. Diese als koordinierte Weltzeit zu verstehende Zeit entspricht im Prinzip der GMT. Ausgehend von der UTC sind die lokalen Ortszeiten zum Beispiel als UTC +2 oder UTC -4 anzugeben. Dadurch ist der Bezug zur Weltzeit klarer und Zeitangaben schneller errechenbar. Denn die Uhrzeit ist nach wie vor in allen Zeitzonen unterschiedlich.


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