Stiefel mit Geschenken zum NikolaustagIm Gegensatz zum Weihnachtsmann gab es den Nikolaus wirklich. Er lebte im vierten Jahrhundert nach Christus. An seinem Todestag, der angeblich am 6. Dezember war, stellen Kinder ihm zu Ehren stellen noch heute ihre Stiefel oder einen Teller vor die Tür – in der Hoffnung, der Heilige bringe ihnen zum Nikolaustag ein Geschenk. Doch wer war eigentlich dieser Nikolaus? Und woher kommt die Stiefel-Tradition?

 

Der Bischof Nikolaus von Myra

Es gibt nicht viele historisch belegbare Daten. Zwischen 270 und 286 nach Christus wurde Nikolaus in Patare geboren, einer kleinen Stadt im heutigen türkischen Gebiet Demre. Sein Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Sieger über das/aus dem Volk“. Überlieferungen zufolge wurde er mit 19 Jahren von seinem Onkel Nikolaus, ebenfalls Bischof von Myra, zum Priester geweiht und danach als Abt des Klosters Sion eingesetzt. Seine Eltern starben früh, wodurch er ihr Vermögen erbte und es unter den Armen verteilte. Nach dem Tod seines Onkels pilgerte Nikolaus ins Heilige Land. Als er wieder zurück kam wählte ihn die Gemeinde Myra zu ihrem neuen Bischof.

Nikolaus rebelliert in Nicäa

Nikolaus wurde 303 während der letzten großen Christenverfolgung im römischen Reich eingesperrt und gefoltert. Die Christenverfolgung endete 313 offiziell. Im Jahr 325 nahm Nikolaus vermutlich am ersten Konzil von Nicäa teil. Diesen berief der „neue“ römische Kaiser Konstantin I. ein, um Streit über den Arianismus, eine nichttrinitarische Lehre des Christentums, von Alexandria zu schlichten. Der Legende nach soll er dabei einen Verfechter von Arius, dem Begründer der Lehre, geohrfeigt haben. Dies führte zu einer Verhaftung, allerdings wurde er nach Beendigung des Konzils wieder rehabilitiert.

Wie kamen die Nikolaus-Reliquien nach Italien?

Bischof Nikolaus von Myra starb vermutlich am 6. Dezember 343 nach Christus. Ihm zu Ehren wird in christlichen Ländern der Festtag des Heiligen Nikolaus, der Nikolaustag, gefeiert.
1087 raubten süditalienische Kaufleute das Grab des Bischofs von Myra in der St.-Nikolaus-Kirche Demre aus brauchten die Gebeine nach Bari. Die Bewohner der Stadt errichteten die Basilika San Nicola. Bis heute feiert die Stadt jedes Jahr im Mai das Fest der Ankunft der Reliquien in Bari.

 

Nikolaus Legenden – die drei bedeutendsten Geschichten

Um das Wirken des Heiligen Nikolaus drehen sich viele Legenden. Historisch belegt ist, dass er ein gutherziger Mann war, der armen Menschen in Not half. So wurde er zum Schutzpatron vieler Menschen. Die zahlreichen Geschichten führten im Laufe der Zeit dazu, dass er als einer der wichtigsten Heiligen angesehen wird.

Der Vater und seine drei TöchterOrthodoxes Bildnis vom Heiligen Nikolaus

Die bekannteste Legende dreht sich um einen armen Mann und seine drei Töchter. Er konnte seine Schulden nicht zahlen und somit seine Töchter mangels einer Mitgift auch nicht standesgemäß verheiraten. Deshalb beabsichtigte er, diese zu Prostituierten zu machen. Nikolaus erfuhr von der Notlage und warf in drei aufeinanderfolgenden Nächten jeweils einen großen Goldklumpen durch ein Fenster. In der dritten Nacht blieb der Vater der drei Jungfrauen so lange wach, bis Nikolaus kam, um ihn nach dem Namen zu fragen und ihm zu danken.

Diese Legende führte dazu, dass der Heilige Nikolaus häufig mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln abgebildet wird. Auch der Brauch, einen Teller oder Stiefel vor die Tür zu stellen, kommt von dieser Geschichte.

Nikolaus als Retter der Seefahrer

In einer anderen Geschichte gerieten Schiffsleute in eine Seenot. Sie riefen zum heiligen Nikolaus und plötzlich erschien ein Mann hinter dem Steuer, der das Schiff sicher aus dem Sturm bis in den Hafen von Myra lenkte. Am nächsten Tag gingen die Seemänner in die Kirche, um Gott für ihre Rettung zu danken. Sie erkannten im Bischof, der hinter dem Altar stand, den Retter in der Not. Diese und ähnliche Erzählungen führten dazu, dass der Heilige Nikolaus zum Schutzheiligen der Seefahrer wurde.

Das Kornwunder von Myra

Die letzte der drei bekanntesten Legenden handelt von einer großen Hungersnot in Myra. Der Bischof erfuhr, dass ein großes Schiff im Hafen vor Anker lag. Dieses hatte Getreide für den byzantischen Kaiser geladen. Nikolaus bat die Seeleute, der Stadt einen Teil des Korns zu geben, um ihnen in der Not zu helfen, was diese zuerst ablehnten, da das Getreide exakt an den Kaiser ausgeliefert werden musste. Doch der Heilige versprach ihnen, dass sie davon keinen Schaden haben würden. So stimmen sie zu. Als sie am Hof des Kaisers ankamen, stellten sie fest, dass sich das Gewicht der Ladung nicht veränderte – trotz der Spende an Myra. Das Korn für die unter Hungersnot leidenden Stadt hielt allerdings volle zwei Jahre und außerdem für die Saat.

 

Nikolaus – der beliebteste Heilige?

Schokoladen-NikolausDie orthodoxe Kirche verehrt Nikolaus nachweislich seit dem 6. Jahrhundert. Um 550 n. Chr. herum errichtete Kaiser Justinian in Konstantinopel eine dem Bischof geweihte Kirche. In der russisch-orthodoxen Kirche ist der Heilige Nikolaus zusammen mit Jesus Christus und Maria mit Kind die dritte große Ikone auf der Ikonostase, einer Wand mit drei Türen.

Anfang des 8. Jahrhunderts kam der Kult um den Bischof von Myra nach Italien, da das Land zu dem Zeitpunkt enge Beziehungen zum oströmisch-byzantinischen Reich unterhielt. Im 10. Jahrhundert wurde Nikolaus dann auch im deutschsprachigen Raum bekannt. Vermutlich lag dies an der byzantinischen Frau von Otto II., allerdings könnten aber auch die damaligen Italienzüge der ostfränkisch-deutschen Herrscher ausschlaggebend sein. Vor allen die Adelsfamilie der Ezzonen stiftete zahlreiche Nikolauskirchen, wodurch der Kult im Rheinland gefördert wurde.

Nikolaus ist der Schutzheilige vieler Völker, besonders in Ost- und Südost-Europa. Durch die Verbreitung diverser Legenden wurde er aber auch Patron vieler Berufsgruppen wie beispielsweise der Seefahrer, Pfandleiher, Bäcker und Apotheker. Außerdem schützt er Kinder, Alte, Pilger, Schüler und Studenten, aber auch Prostituierte, Gefängniswärter und Gefangene.

 

Die bekanntesten Bräuche zum Nikolaustag

Nikolausschiffchen aus Papier

Im 15. Jahrhundert begannen die Menschen, Nikolausschiffe aus Papier zu basteln, in die Nikolaus die kleinen Geschenke legen sollte. Dieser Brauch bildete sich aufgrund der Erzählung über die Rettung der Seeleute. Auch heute findet man auf zahlreichen Handelsschiffen ein Nikolausbild. Später ersetze man die Schiffchen durch Stiefel, Schuhe oder Gabenteller, die die Kinder am Abend vor dem Nikolaustag vor die Tür stellen. Grundlage dieses „Einlegebrauchs“ ist die Legende der drei Jungfrauen, die von dem Heiligen Nikolaus beschenkt und somit vor der Prostitution bewahrt wurden.

Nikolausabend – der Abend der Bescherung

Ursprünglich war der 6. Dezember der Tag der Bescherung. Das ist er in manchen Ländern, wie beispielsweise in Luxemburg, noch heute. Erst mit der Ablehnung der Heiligenverehrung im Zuge der Reformation verlagerte sich die Bescherung größtenteils auf Weihnachten. So löste das Christkind den Nikolaus als Gabenbringer ab. Heute ist dies auch in katholischen Gebieten üblich.

Die Wahl zum „Kinderbischof“

Im Mittelalter entstand an Klosterschulen ein Nikolausbrauch, der unterstrich, dass der Bischof auch Schutzheiliger der Kinder ist. So durften die Kinder am Nikolaustag einen „Kinderbischof“ wählen, der Erwachsenen predigte und ihr Verhalten tadeln durfte. An manchen Orten blieb er sogar bis zum 28. Dezember, Tag der unschuldigen Kinder, im Amt.

Das Bremer Sunnersklauslaufen

Ein weiterer Brauch zum Nikolaustag ist das Heische-Brauchtum. Dabei verkleiden sich Kinder am Abend des 6. Dezembers als Nikolaus und ziehen von Haus zu Haus. Die Bewohner müssen dann versuchen zu erraten, welches Kind unter der Nikolausverkleidung steckt. Anschließend bekommen die kleinen Nikoläuse einen kleinen Geldbetrag oder ein paar Süßigkeiten geschenkt. In Bremen ist am späten Nachmittag dieses Tages auch das Sunnerklauslaufen, bei dem verkleidete Kinder in verschiedenen Geschäften einen plattdeutschen Spruch aufsagen und um Süßigkeiten bitten.

 

Der Nikolaus und seine Begleiter

Häufig ist der Nikolaus nicht allein unterwegs, sondern zieht mit seinen furchteinflößenden Begleitern durchs Land. Hintergrund sind wahrscheinlich Satansmythen, vorchristliche römische Saturnalien und Panverehrung. Dabei soll das Böse als Pendant zum Guten, dem Heiligen Nikolaus, dargestellt werden.

Der Kinder-erschreckende Krampus Nikolaus und Krampus

Besonders bekannt ist die Figur des Krampus. Dieser begleitet den Bischof zum Beispiel in Österreich, Ungarn, Tschechien sowie in Teilen von Norditalien und Kroatien. Dem Brauch nach beschenkt der Nikolaus die „braven“ Kinder, der Krampus allerdings rasselt mit Ketten und erschreckt die „bösen“ Kinder. In vielen Gebieten gehört zu der Tradition auch der „Krampustag“. Am 5. Dezember jagen diese beim Krampuslauf durch Dörfer, bevor sie am nächsten Tag vom Nikolaus gezähmt werden. Am gleichen Abend veranstalten die Schweizer das „Klausenjagen“. Dabei wird der „Samichlaus“ durchs Dorf getrieben.

Der Krampus hat allerdings auch einen weiblichen Gegenpart, meist in Gestalt eines Engels. In Bayern werden sie von dem Butzenberch, in Hessen vom Fraache und im Berchtesgadener Land vom Nikoloweibl begleitet.

„Von drauß‘ vom Walde komm ich her…“ – Knecht Ruprecht

Im protestantischen Gebiet wird der Nikolaus von Knecht Ruprecht begleitet, teilweise kommt auch nur dieser. Mit der Zeit wurde in diesen Gegenden der Nikolaus etwas vom Christkind verdrängt, allerdings blieb Knecht Ruprecht erhalten. Teilweise agierte er als einzelne Figur und beschenkte oder bestrafte Kinder. So entwickelte sich Knecht Ruprecht teilweise vom negativ besetzten Gegenspieler des Heiligen Nikolaus hin zur Benennung „Herr Sankt Ruprecht“.

Heute ist er immer noch sehr bekannt. Besonders durch Theodor Storms Gedicht „Knecht Ruprecht“ wird seine Tätigkeit sowohl als Schenkender sowie als Strafender beschrieben. Bis heute wird besonders die erste Zeile „Von drauß‘ vom Walde komm ich her. Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr“ in der Adventszeit häufig rezitiert. Aber auch ein Klavierstück aus Robert Schumanns Album für die Jugend trägt seinen Namen als Titel.

Bauernregeln zum Nikolaustag

Auch einige Bauernregeln entstanden durch den Nikolaustag. Besonders bekannt sind dabei:

  • „Regnet es an Nikolaus, wird der Winter streng, ein Graus. Trockener Sankt Nikolaus, milder Winter rund ums Haus.“
  • „Fließt zu Nikolaus noch Birkensaft, kriegt der Winter keine Kraft.“

 

Der Unterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann

Weihnachtsmann vorm TannenbaumRoter Mantel, weißer Rauschebart und ein Sack auf dem Rücken voller Geschenke – dieses Bild hat man Im Kopf, wenn man an den Weihnachtsmann denkt. Aber auch Sankt Nikolaus wird so dargestellt, wodurch es häufig zu Verwechslungen kommt. Doch eigentlich haben die beiden nichts miteinander zu tun.

Der Weihnachtsmann ist eine Kunstfigur. Er steht heute für Konsum und steigert in der Vorweihnachtszeit den Konsum wie keine andere Figur. Der Nikolaus hingegen wird traditionell mit Mitra, Bischofsstab und im Priestergewand dargestellt. Ihn gab es im Gegensatz zu „Santa Claus“ wirklich und ist bekannt als Heiliger, Nothelfer und Schutzpatron. Der Bischof von Myra ruft den Menschen am Nikolaustag somit immer wieder in Erinnerung, Gutes zu tun, Freude zu schenken und an seine Mitmenschen zu denken.

 

Der Nikolaustag heute – und in Zukunft

Der Bischof von Myra, heute besser bekannt als der Heilige Nikolaus, ist noch heute ein fester Bestandteil der Adventszeit. Seine Taten sind zwar als Legenden nicht historisch nachweislich, doch an jedem Gerücht steckt immer ein Funken Wahrheit – wodurch man auch hier annehmen kann, dass der echte Nikolaus ein Wohltäter und Helfer in allen Notlagen war. Ihm zu Ehren feiern christliche und orthodoxe Länder noch immer seinen Todestag und durch zahlreiche Bräuche, Lieder und Gebäck wird dieser sicher auch nie vergessen – besonders nicht von Kindern! In diesem Sinne: „Lasst uns froh und munter sein und uns recht von Herzen freu’n!“

 


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Quellen

Becker-Huberti, Manfred: Der heilige Nikolaus. Leben, Legenden und Bräuche. Greven-Verlag, Köln 2005
Becker-Huberti, Manfred: Feiern, Feste, Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr. Herder Verlag Freiburg−Basel−Wien1998
Benz, Richard (Übersetzung): Die Legenda Aurea des Jacobus de Voragine. 10. Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1984
Brand, Fabian; Schulz, Esther: Das Nikolaus-Buch. Wissenswertes zum Fest. Herder, Freiburg, 2017
Guth, Klaus: Nikolaus von Myra. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 6, Bautz, Herzberg 1993
Hof, Patrik: Wie der Nikolaus die Herzen der Menschen eroberte. In: PM History 12/2006
König, Walter: Interview. Hedwig Kainberger: Das lustige Spiel mit dem Bösen. In: Salzburger Nachrichten. 12. Dezember 2009, Kultur

Meisen, Karl: Nikolauskult und Nikolausbrauch im Abendlande. L. Schwann, Düsseldorf 1931.
Mensing, Roman: Nikolaus von Myra. Patmos, Düsseldorf 2001, Neuausgabe 2007
Mezger, Werner: Sankt Nikolaus. Zwischen Kult und Klamauk. Schwabenverlag, Ostfildern 1993
Mondschein, Helga: Der heilige Nikolaus. Geschichten & Legenden. St. Benno, Leipzig 2004
Ökomenisches Heiligenlexikon: Nikolaus von Myra
Storm, Theodor: Knecht Ruprecht. In: Projekt Gutenberg-DE.
Nikolauslaufen durch die Stadtteile – Bremen: Aktuelle Nachrichten – Weser-Kurier