„Nicht schon wieder Lernen!“ – diesen Spruch hat vermutlich jeder Schüler schon einmal gestöhnt. So wird meist am Abend vor der Prüfung begonnen, den kompletten Lernstoff zu wiederholen. Doch es ist wissenschaftlich belegt, dass eine Nachtschicht nicht wirklich etwas bringt, da Sie alles schnell wieder vergessen. Vermeiden Sie den Stress vor Klausuren und lernen Sie lieber kontinuierlich. Mit unseren Lerntipps fällt es Schülern und auch Studenten leichter zu lernen.

 

Die richtige Vorbereitung fürs Lernen

Bevor Sie beginnen, einen Lernplan für das strukturierte Lernen zu schreiben, bereiten Sie erstmal Ihren Arbeitsplatz vor. Alles, was Sie ablenken könnte, räumen Sie weg. Stattdessen stapeln Sie alle benötigten Unterrichtsmaterialien, Hilfsmittel und Fachliteratur auf den Schreibtisch. So müssen Sie nicht ständig aufstehen und haben alles griffbereit.

Sorgen Sie für Ruhe. Also: Handy aus, Musik aus und notfalls Ohropax besorgen. Damit das Gehirn mit Sauerstoff versorgt wird, lüften Sie vor dem Lernen richtig. Stellen Sie außerdem ausreichend Wasser oder Tee zurecht. Für kleinere Belohnungen nach dem Abschluss einer Aufgabe oder Lerneinheit können Sie auch schon mal eine Tafel Schokolade in eine Ecke des Tischs legen. Diese ist aber nur zur Belohnung da, also beginnen Sie nicht schon vorher mit dem Naschen!

Zum Lernen motivieren

Unter Druck zu lernen ist meist keine so gute Idee. Auch Aufschieben ist nicht hilfreich, da die Zeit immer knapper und der Stress größer wird. Lernen Sie, den inneren Schweinehund zu überwinden.

Setzen Sie sich Ziele oder stellen Sie sich selbst eine Belohnung in Aussicht. Weitreichende Zielsetzungen sind ein Abschluss, ein Ausbildungs- oder Studienplatz und die Aussicht auf eine größere Auswahl an Jobs. Doch das Ziel kann auch einfach eine schöne Belohnung sein: eine Folge der Lieblingsserie schauen, eine Stunde mit Freunden treffen, etwas Sport treiben oder etwas Süßes naschen. Je nachdem, worauf Sie sich konzentrieren möchten.

Lerntipps: Einen Lernplan anlegen

Mit einem gut strukturierten Lernplan fällt es vielen leichter, für die Prüfung zu büffeln und alle Hausaufgaben zu schaffen. Er ist am besten gut durchdacht und schafft – wenn Sie sich daran halten – die idealen Rahmenbedingungen für die Lernerfolge. Die Erstellung ist ganz einfach.

Planen Sie Ihre Zeit realistisch ein. Betrachten Sie dabei die drei Zeitdimensionen Alltagszeit, Freizeit und Lernzeit. Ein Großteil der Alltagszeit ist meist schon mit Stundenplan, Vereinen und Putzplänen verplant. Diese schreiben Sie in den Kalender hinein. Schauen Sie sich nun die nächsten Termine in der Freizeit an. Wann feiert Oma Geburtstag? Wann sind Sie mit der besten Freundin zum Eis essen verabredet? Alle Termine kommen in die Planung rein. Nun gibt es eine Restzeit, die Sie zum Lernen nutzen können. Planen Sie diese Zeit realistisch ein. Also nur, weil am Sonntag noch nichts geplant ist, heißt das nicht, dass Sie da den ganzen Tag lang lernen.

Nun verschaffen Sie sich einen sorgfältigen Überblick über alle Mitschriften und Materialien. Was brauchen Sie? Müssen Sie noch etwas besorgen? Für welchen Themenbereich benötigen Sie doch mehr Zeit als gedacht? Fehlende Unterlagen borgen Sie sich rechtzeitig von Mitschülern aus, für Fachliteratur lohnt sich ein Ausflug in die Bibliothek. Bringen Sie die Notizen in die richtige Reihenfolge. Alles sollte griffbereit vor dem Lernen zur Verfügung stehen.

Machen Sie sich Gedanken zu den einzelnen Fächern. In manchen Bereichen müssen Sie vermutlich nicht ganz so viel lernen wie bei anderen Themengebieten. Die für Sie schwierigen Fächer brauchen vermutlich mehr Zeit, um die komplizierten Inhalte auch wirklich zu lernen. Um die kümmern Sie sich zuerst. Die leichteren Themen können Sie nach hinten schieben und dafür auch weniger Zeit einplanen. Trotzdem sollten Sie natürlich auch dafür lernen.

Es gibt verschiedene Methoden zum Lernen und je mehr Sinne Sie damit ansprechen, desto besser verinnerlichen Sie das Thema. Planen Sie deshalb noch extra Zeit ein, in der Sie die Inhalte in die richtige Form bringen, also zum Beispiel auf Karteikarten oder als „Spickzettel“. So schaffen Sie in Ihrem Lernplan direkt Raum, damit Sie den Stoff gründlich aufarbeiten und vorbereiten können. Zum Schluss packen Sie den Lernstoff in kleine Päckchen. Notieren Sie in jeder Lerneinheit, welchen Inhalt Sie dabei lernen wollen. Realistisch ist ein etwa 30 bis 45 Minuten langes und fokussiertes Lernen, bevor Sie eine kurze Pause machen. Teilen Sie den Stoff deshalb auch in kleinen Portionen ein, damit Sie auch alles schaffen.

 

Lerntipps: Methoden zum Lernen

Es gibt viele verschiedene Methoden, um richtig zu Lernen. Gestalten Sie Ihre Unterlagen. Dabei sollten Sie Platz für Anmerkungen oder Notizen lassen sowie Überschriften, Merksätze, Fachbegriffe und wichtige Informationen markieren.

Um eine Sprache in den Alltag zu integrieren schreiben Sie verschiedene Vokabeln auf Post-it-Zettel und kleben diesse an die entsprechenden Gegenstände. Bei alltäglichen Gesprächen (am besten in der zu erlernenden Sprache) bauen Sie diese Wörter ins Gespräch ein. Doch es gibt noch viele weitere Möglichkeiten.

Lerntyp herausfinden

Finden Sie heraus, welcher Lerntyp Sie eigentlich sind. Manche merken sich Dinge besser, wenn sie diese immer wieder hören, manche müssen darüber sprechen oder etwas sehen, um es sich einzuprägen. Überlegen Sie sich, was zu Ihnen passt und wie Sie den Stoff am besten aufnehmen. Wenn Sie das noch nicht genau wissen, probieren Sie einfach verschiedene Lernmethoden aus:

Lesen: konzentriert Lesen und dabei verinnerlichen

Hören: Inhalte aufnehmen, mitsprechen und nachsprechen, Sprach-Apps beim Bus fahren/Joggen/… hören, etc.

Sehen: Skizzen zeichnen, mit einem Mindmap lernen, Inhalte in verschiedenen Farben kennzeichnen, Plakat erstellen, etc.

Lernen mit Karteikarten

Es gibt zwei bekanntere Methoden beim Lernen mit Karteikarten. Der Klassiker ist eine Lernbox, die vor allem bei Sprachen, Jahreszahlen und Formeln helfen. Auf der Vorderseite der Karteikarte steht eine Fragestellung, Aufgabe oder Vokabel, auf der Rückseite die Antwort. Unterteilen Sie die Box in fünf Fächer. Alle Karten kommen in das erste Fach. Wenn die Aufgabe gelöst ist, kommt die Karte ins zweite Fach, wenn nicht, bleibt sie im ersten und wird erneut gelernt. So geht es immer weiter, bis die Aufgabe im fünften Fach landet und somit aussortiert werden darf.

Besonders bei älteren Schülern und bei Studenten gibt es eine andere Karteikarten-Methode. Auf die Vorderseite kommt ebenfalls eine Fragestellung, die in einer Prüfung dran kommen könnte. Manche schreiben stattdessen ein Schlagwort drauf. Auf die Rückseite kommen stichpunktartig die Antwort oder alle wichtigen Merkmale oder Informationen. Anschließend liest der Lernende die Karte laut vor und beantwortet sie ebenfalls laut, am besten, ohne die Notizen auf der Rückseite zu beachten. Gestalten Sie es wie ein Referat, also erklären Sie den imaginären Zuhörern den Sachverhalt. Im Nachhinein prüfen Sie, ob Sie alle wichtigen Punkte abgehakt haben. Wenn Sie eine Frage fünfmal laut und umfassend erklärt haben, kann die Karteikarte weggelegt werden. Wiederholen Sie von Zeit zu Zeit dennoch alle Karten, damit das Wissen nicht einrostet.

Lernen in Gruppen: Die Marktplatz-Methode

Manche Schüler lernen am besten in Gruppen. So können sie zum Beispiel der Reihe nach „Lehrer“ spielen und sich gegenseitig eine Frage ausführlich beantworten. Ähnlich funktioniert auch die Marktplatz-Methode. Erarbeiten Sie gemeinsam ein Thema. Jedes Gruppenmitglied überlegt sich anschließend drei Fragen und informiert sich umfassend darüber, bis er die Frage gründlich beantworten kann. Nun treffen sich die Teilnehmer auf dem „Marktplatz“. Sie stellen einander die Fragen und gemeinsam wird das Thema erörtert. Das sorgt für eine umfassende Präsentation und Diskussion zum Lernstoff. Außerdem tauchen neue Informationen auf, die sich alle gut merken.

Die 5-Schritt-Methode

Bei der 5-Schritt-Methode arbeiten Sie einen Text durch – in fünf Schritten. Zuerst überfliegen Sie den Beitrag. Anschließend stellen Sie sich Fragen, die der Text beantworten könnte. Im nächsten Schritt lesen Sie den Text erneut, diesmal gezielt auf die Frage hin. Danach beantworten Sie sich die Fragen, fassen das Gelesene zusammen und strukturieren es. Der letzte Schritt ist es, das eben Gelernte kontinuierlich zu wiederholen.

Lerntyp Sehen: Lernen mit Mindmap

Wie beim normalen Brainstorming schreiben Sie ein Hauptthema auf die Mitte eines Blatt Papiers, zum Beispiel „Antikes Griechenland“. Nun zeichnen Sie Ihr Mindmap, indem Sie vom Wort ausgehend verschiedene Unterbegriffe notieren, die Ihnen einfallen. Am Ende entsteht ein umfangreiches Bild, welches Sie sich einprägen und im Gedächtnis abspeichern.

Ähnlich ist die Testing-Strategie. Stellen Sie sich vor, es ist eine Prüfung. Notieren Sie sich auf einem Blatt Papier ein relevantes Stichwort, zum Beispiel „Weimarer Republik“. Nun schreiben Sie alles was Ihnen dazu einfällt, darauf. Anschließend korrigieren Sie es und achten darauf, was Sie vergessen haben. So wissen Sie, an welchen Stellen Sie fokussierter üben müssen.

 

Das müssen Sie beim Lernen beachten

Wichtig ist die tägliche Routine. Regelmäßig Lernen hilft dabei, sich den Stoff auch wirklich einzuprägen. Hören Sie im Unterricht gut zu und schreiben Sie auch Gesagtes mit, was Sie nicht im Tafelbild oder Arbeitsblättern sehen, da müssen Sie später nichts nachrecherchieren. Machen Sie die Hausaufgaben gleich am selben Nachmittag. Der Unterricht ist dann noch gut im Gedächtnis. Lernen Sie nicht erst kurz vor einer Klausur, lieber jeden Nachmittag den Stoff des Tages wiederholen.

Lernen Sie lieber an jedem Tag zum Beispiel zwei Stunden, wenn Sie an einem Tag zu lange auf die Notizen starren, platzt der Kopf – und dabei bleibt nicht viel hängen. Um nichts durcheinander zu bringen wiederholen Sie am Nachmittag möglichst keine ähnlichen Fächer hintereinander. Also statt dass Sie sich zuerst mit Mathe und anschließend mit Physik beschäftigen, schauen Sie sich dazwischen besser Geschichte oder eine Fremdsprache an.

Achten Sie darauf, genug Schlaf zu bekommen, damit Ihr Gehirn zur Ruhe kommt und Sie mit neuer Energie in den nächsten Tag starten können. Vor dem Schlafen gehen lesen Sie sich am besten kurz den Stoff für den nächsten Tag durch und bereiten Ihre Schulsachen vor. Das erspart Ihnen Stress am Morgen und Sie kommen ausgeruht zur Schule – oder zur Uni.

Pausen machen

Denken Sie an Pausen. Finden Sie heraus, wie lange Sie sich am Stück konzentrieren können, ohne abzuschweifen. Nach etwa 45 Minuten empfiehlt es sich, eine kurze Pause zu machen. In dieser Zeit sorgen Sie am besten für etwas Bewegung und frische Luft. Auch die Toilettenpause können Sie so legen, damit Sie beim weiteren Lernen nicht unterbrechen müssen. Stellen Sie sich einen Timer, der Sie pünktlich wieder zurück zum Schreibtisch ruft.

Manch einer möchte in der Pause einen Snack zu sich nehmen. Da es sich mit vollem Bauch aber schlecht lernt, sind Obst und Gemüse besonders gut geeignet. Sie liefern dem Gehirn erneut Energie und versorgen den Körper mit Vitaminen.

 


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