Auf welche historischen Ursprünge geht die Tradition des JunggesellInnenabschieds zurück?

Vor der Hochzeit wird in vielen Kulturen der Abschied vom Single-Dasein, beispielsweise durch einen Polterabend oder einen JunggesellInnenabschied, gefeiert. Doch woher stammen diese Traditionen?

Das ist Sparta!Eine erste Form des Junggesellenabschieds ist aus der Zeit um 500 vor Christus Überliefert: In der antik-griechischen Stadt Sparta organisierten die mit einem Bräutigam befreundeten Soldaten am Vorabend der Hochzeit ein Abendmahl, an dem unter häufigen Trinksprüchen ausgiebig Wein genossen wurde. Die Feier erlaubte dem Bräutigam ein letztes Mal vor der Eheschließung, gemeinsam mit seinen Freunden zu feiern, ohne auf die künftige Ehepartnerin Rücksicht nehmen zu müssen.

Vorläufer des neuzeitlichen Junggesellinnenabschiedes war das im 14. Jahrhundert begangene Brautbad, das im Beisein von vier bis acht Freundinnen in einem Badehaus erfolgte. Die Braut reinigte sich während des Brautbades entsprechend den mittelalterlichen Vorschriften und verbrachte mit ihren Freundinnen einen vergnüglichen Abend. Der Junggesellenabschied des Bräutigams war eine ausgelassene Feier, die ebenfalls in einem Badehaus stattfand. Die Anzahl der teilnehmenden Freunde lag allerdings mit oft über 20 deutlich höher als beim Brautbad.

Zahlreiche Nationen übernahmen den englischen Brauch der „Stag Night“ der vom Vater des Bräutigams ausgerichtet wurde.

Weltweit haben sich verschiedenste Formen von Feiern und Bräuchen vor einer Hochzeit herausgebildet.

So wird in einzelnen Ländern gefeiert

Angloamerikanische Länder

Die gemeinsame angloamerikanische Kultur hat zu ähnlichen Ausgestaltungen des JunggesellInnenabschieds in England, Irland, Neuseeland, Australien, Kanada und den USA geführt: Der Name des JunggesellInnenabschieds lautet in Großbritannien, Irland und Neuseeland  „Stag Party”, „Stag Night” oder „Stag Do” (für Männer) bzw. „Hen Night” (für Frauen), während in den USA auch die Bezeichnungen „Bachelor Party” bzw. „Bacholerette Party” und in Kanada „Stage Party” und „Stagette Party” verwendet werden. In Australien ist auch der Begriff „Buck’s Night” gebräuchlich.

Hen night - JunggesellinnenabschiedMänner und Frauen feiern den JunggesellInnenabschied streng getrennt voneinander. Die Tradition der Hen Party entwickelte sich erst in jüngerer Zeit, hat sich jedoch in ihren Ritualen dem Vorbild der Stag Party angenähert – einschließlich eines erhöhten Alkoholkonsums in Form eines Trinkgelages. Allen Veranstaltungen sind zudem sexuelle Anspielungen gemeinsam. Stag Night und Hen Night finden seit den 1990er Jahren meistens nicht zuhause, sondern in einem Pub oder in einem Nachtclub statt. In angloamerikanischen Ländern werden zum JunggesellInnenabschied auch zunehmend Wochenendausflüge durchgeführt, die innerhalb Europas vorzugsweise nach Krakau und Riga und in Amerika nach Montrael, Quebec und Mexiko führen.

Ursprünglich versammelten sich in England die Männer der Familien von Braut und Bräutigam zu einer Stag Night, um genau zu überprüfen, ob sich der Bräutigam mit seinen Ehepflichten auskennt. Die Familienoberhäupter hielten inmitten festlich gekleideter Gäste feierliche Ansprachen.

Schottland

In Schottland werden Bräuche und Rituale vor der Hochzeit gepflegt, die teilweise auf keltische Ursprünge zurückgehen und sich mit neuzeitlichen Elementen vermischen.

Sixpenze Münze für den BrautschuhEin schottischer Brauch, der unter anderem in Glasgow und Aberdeen am Vorabend des Hochzeitstages praktiziert wird, soll zu Wohlstand und Reichtum beitragen: Die weiblichen Hochzeitsgäste versammeln sich rund um die Braut, die sich in einer Badewanne befindet und waschen ihr die Füße. Eine verheiratete Frau wirft ihren Ehering in die Wanne. Diejenige unter den unverheirateten Gästen, die den Ring wiederfindet, wird nach Überzeugung der Teilnehmerinnen als Nächste heiraten. Nach dem Bad wird die Braut in neue Gewänder gekleidet. Seit alters her gilt dabei die Regel „Something old, something new, something borrowed, something blue and a lucky six-pence in your shoe”. Daher befindet sich oft im linken Brautschuh eine Silbermünze. Um Unglück zu vermeiden, zieht die Braut den rechten Schuh stets nach dem linken an.

In den an der schottischen Ostküste gelegenen Grafschaften Aberdeenshire, Fife und Angus sowie auf den schottischen Inseln dient auch heute noch das sogenannte „Blackening”, das ebenfalls vor der Hochzeit stattfindet, der Abwehr böser Geister: Braut und Bräutigam werden von Freunden abgeholt und feierlich mit einer schlammähnlichen Blackening-Soße übergossen, die das Brautpaar schließlich von Kopf bis Fuß vollständig bedeckt. Um die Wirkung gegen böse Geister zu optimieren, werden der „Soße“ gerne besonders abschreckende Zutaten wie abgestandene Milch und faule Eier sowie Ruß, Mehl, Sirup und Federn beigefügt Gerne wird das Brautpaar sodann unter lautem Hupen auf der offenen Ladefläche eines Pick-up-Fahrzeuges umhergefahren.

Rumänien

Hochzeiten in Rumänien erfolgen meistens nach dem Ritus der rumänisch-orthodoxen Kirche, der etwa 87 Prozent der Rumänen angehören. Die Bräuche vor der Hochzeit stehen allerdings in keinem Zusammenhang zur Religionszugehörigkeit.

Nach einem traditionellen rumänischen Brauch kann eine Hochzeit erst dann stattfinden, nachdem sowohl die Bekannten der Braut als auch der Bräutigam eine besondere sportliche Leistung erbracht haben: Die Freunde der Braut befestigen einen Brautkranz im Wipfel eines möglichst hohen Baumes. Die Aufgabe des Bräutigams besteht darin, auf die Spitze einer von seinen Angehörigen gebildeten Pyramide zu klettern, um den Brautkranz wieder herabzuholen und ihn dann seiner Braut aufzusetzen. Rumänische Bräute schätzen diesen Brauch als Liebesbeweis ihres Bräutigams.

Türkei

Die Hochzeitsvorbereitungen beginnen in der Türkei bereits ein halbes Jahr vor dem angesetzten Hochzeitstermin. Zur Hochzeitsplanung treffen sich die Eltern von Braut und Bräutigam. Zugleich wird mit der Suche nach einer Wohnung begonnen. Regional unterschiedlich wird für bestimmte Ausstattungsgegenstände gesorgt: Ein Exemplar des Korans steht für den Glauben des Ehepaares. Ein Spiegel, eine Kerze und Zucker symbolisieren Erleichterung, Licht und Süße des Lebens.

Henna Abend vor der Hochzeit - TürkeiAm Abend vor einer türkischen Hochzeit trifft sich die Braut mit weiblichen Verwandten und Freundinnen meistens in einem auswärtigen Saal zu einer Henna-Feier, für die sich die Braut bei einem Friseur-Besuch vorbereitet. Der Henna-Abend steht für die letzte Nacht, die die Braut als Jungfrau verbringt.

Erst zwei bis drei Stunden nach Beginn der Feier treffen Braut und Bräutigam ein. Nach dem Löschen des Lichts und dem Anzünden von Kerzen gehört dem Brautpaar ein Tanz in romantischer Atmosphäre. Anschließend verlässt der Bräutigam den Saal, so dass die eingeladenen Frauen alleine weiterfeiern können. Der Bräutigam wiederum hat nun ebenfalls Gelegenheit, mit seinen männlichen Freunden zu einer separaten Feier zusammenzukommen.

Höhepunkt des Henna-Abends ist das Auftragen von Henna-Farbe auf die Hände der Braut. Für die Henna-Zeremonie trägt die Braut ein Kleid mit gestickten Pflanzenmotiven und ein mit roten Pailletten versehenes Kopftuch. Das Singen trauriger Volkslieder schafft während der Henna-Zeremonie eine melancholische Stimmung, die an die Trennung der Braut von ihrem Elternhaus erinnert.

Die Henna-Farbe wird von älteren Angehörigen vorbereitet und in ein mit Kerzen geschmücktes Silbertablett gegeben. Henna ist ein hellgrünes Pulver, das mit Wasser vermischt eine rot-bräunliche, dickflüssige Masse ergibt. Im Islam gilt die Henna-Pflanze als Paradiesgewächs und als Glücksbringer.

Brasilien

Geschenke für den Junggesellinnenabschied - BrasilienDer lebhaften brasilianischen Mentalität entsprechend geht es auf JunggesellInnenabschieden im größten südamerikanischen Land zuweilen turbulent und so gar nicht nach den strengen Regeln der in Brasilien vorherrschenden katholischen Kirche zu. Allerdings nimmt der Anteil der Katholiken in Brasilien kontinuierlich und rasch ab: Während er 1960 noch bei 91 Prozent lag, bekannten sich im Jahr 2000 noch 74 Prozent und 2010 65 Prozent der Bevölkerung zum Katholizismus.

Zum Junggesellinnenabschied bringt jeder Gast ein verpacktes Brautgeschenk (meistens einen Haushaltsartikel) mit. Die Braut hat die Aufgabe, zu erraten, welcher Gegenstand sich in dem jeweiligen Päckchen befindet. Gelingt ihr dies, so darf sie das Geschenk behalten. Rät sie jedoch dreimal falsch, so muss sie ein Kleidungsstück ablegen und zudem ein hochprozentiges Getränk zu sich nehmen. Obwohl sich Bräute daher bemühen, zum Junggesellinnenabschied möglichst viele ablegbare Bekleidungsstücke zu tragen, so endet der Junggesellinnenabend für etliche von ihnen doch hüllenlos. Der Junggesellenabschied gestaltet sich ähnlich – allerdings befinden sich in den Paketen, die dem Bräutigam präsentiert werden, Accessoires für eine Hausbar. Die geladenen Gäste halten die einmaligen optischen Eindrücke fotografisch fest, so dass ein brasilianischer JunggesellInnenabschied allen Beteiligten zweifellos nachhaltig in Erinnerung bleibt.

China

Die Hochzeitsbräuche in China entstammen einer uralten kulturellen Tradition, in der das „Schicksal” eine wichtige Rolle spielt. So wird auch die Wahl des Ehepartners als vorherbestimmt angesehen: Die Legende besagt, dass Braut und Bräutigam bereits bei ihrer Geburt von den Göttern mit einem roten Faden an den Fußknöcheln schicksalhaft miteinander verbunden werden. Dieser Faden verkürzt sich im Laufe der Jahre, bis sich Frau und Mann finden.

Schicksalsfaden der Eheleute - ChinaVor der Hochzeit wird von den Familienangehörigen im Rahmen eines dreitägigen Rituals geprüft, ob sich tatsächlich die durch den lebenslangen Faden Verknüpften gefunden haben. Dazu werden acht Merkmale oder Eigenschaften der zukünftigen Ehepartner auf Papier notiert und auf den beiden Familienaltären niedergelegt. Sollte sich innerhalb einer bestimmten Frist kein Unglück ereignet haben, so können die Familien der Heirat zustimmen.

Anschließend beginnen die Familien mit dem Austausch zwölf unterschiedlicher Geschenke, zu denen Essstäbchen, aber auch ein gebratenes Schwein gehören können. Entscheidend für die Auswahl der Geschenke ist, dass sie mit guten Wünschen für die jeweils andere Familie verknüpft sind.

Die Volksrepublik China ist ein laizistischer Staat, der nur bestimmte Religionen (Daoismus, Buddhismus, Islam sowie katholisches und evangelisches Christentum) zulässt. Traditionelle chinesische Religionen, zu denen sich etwa ein Drittel aller religiösen Chinesen hingezogen fühlen, sind hingegen staatlich nicht anerkannt. Viele Chinesen bekennen sich daher nicht offen zur Zugehörigkeit zu einer Konfession. In den gelebten Hochzeitsbräuchen zeigt sich jedoch die starke Verbundenheit zu einer jahrtausendealten Religionskultur.

Süd-Kenia und Nord-Tansania

Die einzelnen Bevölkerungsgruppen in Ostafrika haben eigene Traditionen und Rituale für die Zeit vor der eigentlichen Hochzeit entwickelt.

MassaiDie Volksgruppe der Massai lebt im Süden Kenias und im Norden Tansanias. Vor einer Massai-Hochzeit muss der Bräutigam zunächst an die Eltern der Braut einen Brautpreis entrichten, der gewöhnlich aus etwa 20 Kühen und zwei Stieren besteht. Der Vater einer Massai-Braut verdeutlicht seinen Segen für die bevorstehende Eheschließung, indem er seiner Tochter Milch auf Kopf und Brust spuckt und dabei die Worte spricht: „Möge Gott dir viele Kinder schenken.” Anschließend begibt sich die Braut auf den Weg zu dem ihr zumeist noch unbekannten künftigen Ehemann, der von ihren Eltern ausgewählt wurde. Ein Umschauen ist der künftigen Ehefrau nicht erlaubt, da sie nach dem Glauben der Massai ansonsten zu Stein erstarren würde. Um sicherzustellen, dass die Braut wohlbehalten ihren Bräutigam erreicht, wird sie von dessen Angehörigen nötigenfalls auf Händen und auch über Flüsse hinweg getragen. Dabei werden Blätter und Steine sorgsam aus dem Weg geräumt. An ihrem neuen Zuhause angekommen, folgt eine besondere Probe: Die weiblichen Familienangehörigen beleidigen die Braut und schmieren ihr Kuhdung auf den Kopf, damit sich feststellen lässt, wie sie wohl die Herausforderungen der bevorstehenden Ehe meistern wird. Sobald die angehende Ehefrau vor der Wohnung ihrer Schwiegereltern angekommen ist, weigert sie sich solange einzutreten, bis ihr die präsentierten Geschenke angemessen erscheinen.

Suaheli Braut mit HennaHingegen wird eine Braut aus dem Volksstamm der Suaheli in den Tagen vor ihrer Hochzeit besonders verwöhnt. Einige Tage vor der Vermählung werden zunächst alle Haare entfernt, die sich abwärts des Halses befinden. Anschließend wird der Körper der Braut mit Kokosnussöl massiert. Sandelholz dient der Ganzkörper-Parfümierung. Mit in Henna-Farbe getauchten Zweigen malen Frauen Muster auf Fußknöchel und Arme der Braut. Eine ältere Frau („somo”) unterrichtet die Braut, wie sie ihren künftigen Ehemann „erfreuen“ kann.

Über achtzig Prozent der Bevölkerung Kenias sind Christen, davon mehr als die Hälfte Protestanten. Weniger als zwei Prozent der Kenianer gehören heute noch einer Naturreligion an. Der Norden Tansanias ist hingegen islamisch geprägt. Ein Zusammenhang der dargestellten Rituale zu den aktuellen Religionszugehörigkeiten besteht allerdings kaum, wohl aber zu den früher verbreiteten Naturreligionen.

Nördliches Südafrika

Der im Norden Südafrikas lebende Stamm der Ndebele gehört ethnisch zur Volksgruppe der Bantus. Die kulturelle Identität der Ndebele ging weitgehend verloren, als sie im 19. Jahrhundert von den einwandernden Buren aus ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten vertrieben wurden. Nur in ihren südlichen Stammesgebieten blieben die traditionellen Bräuche erhalten. Vor der Hochzeit muss der Bräutigam den Brautpreis als Ratenzahlung in Form von Vieh oder Geld erbringen. Der Vorbereitung auf die Hochzeit dient eine zweiwöchige Separation der Braut, bei der sie von erfahrenen Frauen alles über ihre Aufgaben als Ehefrau erfährt.

Sahara (Algerien, Mali, Niger)

Kamele als Brautpreis - TuaregDie Nomaden der Tuareg, die in der zentralen Sahara leben, wurden islamisch missioniert. Der Wechsel zum Islam wurde den Tuareg dadurch erleichtert, dass ihre ursprüngliche Naturreligion von bösen und guten Geistern ausging und auch der Koran Geister erwähnt. Die strenggläubigen Tuareg achten das Gebot des Gehorsams gegenüber den Eltern. Vor der Hochzeit muss der Bräutigam daher zunächst einen Brautpreis mit den künftigen Schwiegereltern aushandeln, um deren Einverständnis mit der Verheiratung ihrer Tochter zu erhalten. Der Brautpreis besteht gewöhnlich aus einer vereinbarten Anzahl an Kamelen. Ärmere Familien entrichten den Brautpreis aber auch durch Übergabe von Ziegen. Falls der Bräutigam nicht Cousin seiner Braut ist, so muss er sie außerdem seinem Cousin abkaufen. Als Zahlungsmittel gelten hierbei Sandalen.


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