Heute gehört die Fotografie zum Alltag. Ob Sie mit der Kamera im Handy Ihre Kochkünste in Social Media verbreiten möchten oder die schönsten Erinnerungen an den Familienurlaub. Doch die Fotografie hat eine lange Geschichte. Als Entdecker gelten Nicéphore Niepce und Louis Daguerre. Sie entwickelten Techniken und chemische Verfahren, um Bilder festzuhalten. Im Laufe der Zeit verbesserten sich diese und im Zeitalter der digitalen Fotografie nutzen nur noch die wenigsten Menschen eine Kamera mit Film. Ein Einblick in die Geschichte der Fotografie.

 

Die Anfänge der Fotografie

Vielen ist der Begriff der „Camera Obscura“ ein Begriff. Diesen Apparat, mit dem Bilder auf einer Fläche abgelichtet wurden, entwickelte Joseph Nicéphore Nièpce. Seine ersten Versuche machte er mit Chlorsilberpapier, doch die Bilder verblassten damit schnell wieder. So nutzte er eine Schicht aus Asphalt. Den Asphalt löste er in Petroleum auf, die Lösung gab er auf eine Zinnplatte. Dadurch wurde der belichtete Asphalt hart, den unterbelichteten Asphalt konnte er mit einem Lösungsmittel entfernten. 1826 gelang es Nièpce, mit diesem Verfahre das erste lichtbeständige Bild herzustellen. Es zeigt einen Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers in Chalon-sur-Saône.

Es wurde eine Sensation! Bis zu diesem Zeitpunkt ließen sich allerdings nur nichtbewegliche Objekte fotografieren, da die Belichtungszeit bis zu acht Stunden dauerte. Von Nièpces Arbeit erfuhr der Theatermaler Louis Jaques Mandé Daguerre. Die beiden wurden Partner und arbeiteten an einem Plan, die Belichtungszeit zu verkürzen.

Entwicklung kürzerer Belichtungszeiten

Louis Jaques Mandé Daguerre

Die Belichtungszeit ist die Zeitspanne, in der zum Beispiel der Fotofilm dem Licht ausgesetzt ist. Heute spricht man von einer Langzeitbelichtung, wenn man den Film mehrere Sekunden oder Minuten belichtet. Die sich bewegenden Motive verwischen dabei, wodurch tolle Bilder entstehen können, doch davon träumten die Menschen damals noch. Schließlich wollten sie mit der Fotografie Menschen festhalten und die wollten keine acht Stunden still stehen.

Über mehrere Jahre hinweg suchten Nièpce und Daguerre nach einem Weg, ein bewegtes Motiv festzuhalten. 1833 starb Nièpce ohne den Erfolg feiern zu können. Vier Jahre später entdeckte Daguerre, dass mit einer kurzen Belichtung einer Jodsilberplatte ein latentes (nicht sichtbares) Bild entstand. Aufgrund des schlechten Wetters musste er den Vorgang abbrechen und packte die Platte in seinen Chemikalienschrank. Als er sie wieder herausholte, war ein Bild zu erkennen. Irgendetwas musste also bewirkt haben, dass sich die Belichtungszeit verkürzte.

Daraufhin schoss er immer wieder ein Foto, legte die Platte in den Schrank und entfernte jedes Mal eine neue Chemikalie. Zum Schluss waren nur noch ein paar verschüttete Quecksilber-Tropfen übrig. Er bedampfte nun die Fotoplatten mit Quecksilber und stellte fest, dass sich die Belichtungszeit tatsächlich wesentlich verkürzte – im Sommer betrug sie nun vier und im Winter 15 Minuten. Der Unterschied lag an den unterschiedlichen Sonnenstunden und dem Stand der Sonne. Damit das Foto nicht verblasste, fixierte er es mit Kochsalzlösung.

Daguerre und der Sohn seines Partners, Isodore Nièpce, schlossen 1839 einen Vertrag mit der französischen Regierung. Sie erhielt dadurch das Recht, die sogenannte „Daguerreotypie“ der Öffentlichkeit zu präsentieren, damit jeder davon profitieren konnte. Allerdings konnten die Menschen noch keine Abzüge der Bilder machen, weshalb jedes Foto ein Unikat war. Damit sollte sich nun Henry Fox Talbot beschäftigen.

Entstehung der ersten Foto-Abzüge

Talbot entwickelte die Kalotypie, ein Papier-Negativ-Positiv-Verfahren. Man konnte damit zwar mehrere Abzüge machen, doch waren die Bilder in einer schlechten Qualität. Die niedrige Auflösung sorgte dafür, dass die Fotos grobkörnig waren und sich die Maserung des Papiers deutlich zeigte.

1851 erfand Frederick Scott Archer das Kollodiumverfahren, wodurch er das Problem behob. Dabei wurde Baumwolle in Äther aufgelöst. Damit trug er das lichtempfindliche Material auf Glasplatten auf. Kollodium erhärtet sich schnell an der Luft, weshalb Belichtung und Entwicklung schnell erfolgen mussten. Die Auflösung verbesserte sich, doch der Aufwand war riesig. 1871 gelang es schließlich Richard Leach Maddox, eine Trockenplatte mit einer Bromsilber-Gelatine-Schicht zu entwickeln.

Entwicklung der ersten Rollfilme

Die Arbeit mit den Platten war mühselig, da sie schwer waren und die Handhabung kompliziert war. Für jedes Bild mussten die Fotografen eine neue Platte in den Fotoapparat legen. So entwickelte Georg Eastman gemeinsam mit einem Partner den Rollfilm. Dabei konnten sie mehrere Bilder hintereinander machen. Er hatte auch die Idee, den Fotografen den Prozess des Entwickelns und Abziehens abzunehmen.

Er gründete zusammen mit seinem Partner „Eastman Kodak“ und stellte seine ersten selbstentwickelten Kameramodelle vor. Dazu bot er eine Dienstleistung an. Wenn ein Fotograf eine Filmrolle voll hatte, schickte er den Apparat an die Firma. Wenig später bekam er die Abzüge und die Kamera mit einem neuen Film zurück. So wurde die Fotografie immer beliebter.

 

Der Weg von den ersten Kleinbildkameras bis zur heutigen Fotografie

Die Lichtempfindlichkeit der Filme verbesserte sich immer mehr, weshalb es Anfang des 20. Jahrhunderts gelang, Klein- und Kleinstbildkameras herzustellen. Bereits 1905 begann Oskar Barnack daran zu arbeiten, das Negativ-Format zu verkleinern, damit die Fotos später vergrößert werden konnten. Zehn Jahre später gelang es ihm, dem Entwicklungsleiter bei Leica, die erste Kleinbildkamera zu entwerfen. Doch der erste Weltkrieg begann, wodurch die Entwicklung erstmal zum Stoppen kam.

Erst in den Goldenen Zwanzigern stellte Barnack die erste Leica-Kamera vor. Das Objektiv hatte eine Brennweite von 50 Millimetern. Dies wurde zum Standard, den viele Kamerahersteller übernahmen. 1936 entwickelte die Firma Agfa erste Farbfilme. So konnten die Menschen nahezu realistische Bilder schießen. Die ersten Spiegelreflexkameras kamen in den 1950ern auf den Markt. Man baute einen Spiegel in die Kamera, der das Licht reflektiert. Beim Auslösen klappte dieser zur Seite, wodurch das Licht den Film belichtete. Auch der Blitz etablierte sich immer mehr.

Die digitale Revolution und die Fotografie

Die Technik der Kamera wurde immer weiter verfeinert, immer mehr Elektronik steckte darin. 1963 präsentierte Canon die erste Kameramit einer automatischen Schärfeeinstellung. Etwa zehn Jahre später folgte ein Fotoapparat von Rollei, der vollelektronisch war. Diese stellte automatisch die Blende, Verschlusszeit und Schärfe ein.

Am Ende des 20. Jahrhunderts revolutionierte die Digitalisierung die gesamte Kamera: es entstanden die Digitalkameras. Nun waren die Fotos auf einem digitalen Datenträger gespeichert. Das ist zum einen günstiger, da die Bilder nicht mehr entwickelt werden, zum anderen ist auch der Umgang mit den Fotos ein anderer. Sie können hiermit einfach sofort angeschaut, gelöscht und vervielfältigt werden. Außerdem lassen sich damit so viele Bilder schießen, wie die Nutzer wünschen, da der Film nicht nach ein paar Aufnahmen voll ist.

Diese Bilder können mit einer Bildbearbeitungssoftware nachträglich überarbeitet werden – gut für Fotogeschenke und heimische Dekorationen mit Bilderrahmen und Wandbildern. Mittlerweile werden diese Apps allerdings auch dazu genutzt, Bilder zu manipulieren. Durch den hohen Stellenwert von Social Media werden Bilder schnell gepostet und ausgetauscht. Wer weiß, wie sich die Geschichte der Fotografie in Zukunft noch ändern wird…

 


Bilder

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